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Chronik Österreich
01/26/2019

Sparpläne: Arzneien direkt vom Großhandel statt aus der Apotheke

Pflegeheime: Apotheker und Pfleger laufen gegen die Ideen aus dem Ministerium Sturm.

von Josef Gebhard

Wenn ein neuer Bewohner ins Seniorenheim Bad Gastein (Salzburg) einzieht, setzen sich Pfleger, Arzt und ein Apotheker aus dem Ort zusammen und gehen die Arzneimittel-Liste des Patienten durch. Sie besprechen, ob er bestimmte Medikamente überhaupt braucht, ob es günstigere Alternativen zu bestimmten Mitteln gibt oder ob auf Wechselwirkungen zu achten ist.

„Seit rund sechs Jahren haben wir diese enge Kooperation mit der örtlichen Apotheke. Dank ihr verabreichen wir unseren Bewohnern deutlich weniger Arzneien“, erzählt Pflege-Bereichsleiter Stephan Bacher. „Zwar weiß die Pflege viel über Medikamente, die Apotheker aber immer noch deutlich mehr.“

Umso mehr verunsichern Bacher Ideen, die derzeit im Gesundheitsministerium gewälzt werden. Dort wird angedacht, dass Heime Arzneien künftig nicht mehr von öffentlichen Apotheken beziehen, sondern direkt vom Großhandel oder der Industrie.

Damit könne das Medikationsmanagement „im Sinne einer einfacheren Handhabung für die Institutionen optimiert werden“, heißt es in einem internen Papier, das dem KURIER vorliegt. Weiters erwartet man sich dadurch Einsparungen. „Einerseits durch die Beschaffung von Großpackungen anstelle von Einzelpackungen, andererseits durch den Wegfall der Höchstaufschläge für öffentliche Apotheken.“

Das ruft auch die Apothekerkammer auf den Plan. Die Umstellung des Arzneimittelbezugs, sei ein „gefährlicher Eingriff in ein bestehendes, bestens funktionierendes Versorgungssystem“, warnt die Standesvertretung. Die Ausschaltung der Apotheke würde zu einem Verlust an Qualität und Sicherheit bei der Medikamtenabgabe führen. Das befürchtet auch Pfleger Bacher: „Oft kommt es vor, dass man sehr kurzfristig ein bestimmtes Medikament braucht. Die Apotheke kann es gleich liefern, über den Großhandel dauert das ein bis zwei Tage.“

Auch das Einsparungspotenzial liege laut Kammer „nahe null“: Die Apothekenspanne durch den Vertrieb von Arzneien belaufe sich auf jährlich 18,1 Millionen Euro. Die Leistungen, die dieser Summe gegenüberstehen würden, müssten künftig vom Großhandel oder direkt in den Pflegeheimen erbracht werden. „Es kommt lediglich zu einer Verschiebung der Kosten“, ergänzt Bacher.

Gespräche laufen

Im Gesundheitsministerium versucht man, diese Sorgen zu zerstreuen. Die Gespräche in der zuständigen Projektgruppe seien noch nicht abgeschlossen, betont eine Sprecherin. Und weiter: „Aus Sicht des Bundes wäre eine allfällige Ermächtigung zum Direktbezug aus Gründen der Qualitätssicherung und Patientensicherheit jedenfalls daran zu knüpfen, dass der Arzneimittelvorrat eines Pflegeheims regelmäßig durch einen Apotheker überprüft wird und dieser das Pflegeheim berät.“