Sarah Keil und ihr Schloss ohne Märchen
Von Vanessa Halla
Bauherrin ist sie übrigens auch – irgendwer musste das Schloss Kohfidisch nach Jahrzehnten im Dornröschenschlaf schließlich wieder zum Leben erwecken. Sarah Keil hat die Sache im Jahr 1999 selbst in die Hand genommen. „Aber immer mit der Hilfe meines Mannes“, betont jene Frau, der man allerdings auch ohne Weiteres zutrauen würde, das 3.500 Quadratmeter große Schloss mit den eigenen bloßen Händen renoviert zu haben.
Vor wenigen Tagen hat Kohfidischs Schlossherrin ihren 53. Geburtstag gefeiert. Ob es ein rauschendes Fest war, ist nicht bekannt, aber die passende Location dafür, in der lebt Sarah Keil nicht nur – sie hat sie auch erschaffen.
Die Geschichte vom Schloss Kohfidisch beginnt im 16. Jahrhundert. Vom ursprünglichen Meierhof wurde es im Laufe der Jahrhunderte zu einem Herrschaftssitz der ungarischen Adelsfamilie Erdödy. Dann kam der Zweite Weltkrieg und mit ihm Plünderungen und der Verfall.
Schnapsideen
1959 adoptiert die letzte lebende Nachfolgerin der Erdödys ihren Patensohn – Sarah Keils Vater – und das Schloss bleibt so im Besitz von Nachfahren. Vor vierzehn Jahren übernimmt Sarah Keil dann die Agenden ihres Vaters und trägt seither, neben der Verantwortung für das Schloss, auch jene für den dazugehörigen 1.700 Hektar großen Wald. Die studierte Forstwirtin sagt: „Ich bin in den Forsthäusern gegenüber aufgewachsen, aber der Kindergarten, den ich besucht habe, war damals im Schloss untergebracht. Nach dem Krieg wurde das Schloss ansonsten nicht mehr bewohnt, vielmehr war es jahrzehntelang der Spielplatz vom Dorf.“
1999 schnappen sich Sarah Keil und ihr Mann eine Flasche Champagner und gehen durch das Schloss. „Damals haben wir beschlossen, uns hier eine Wohnung einzurichten. Wir waren junge Studenten und sind mit viel Mut und wenig Verstand an den Umbau herangegangen. Von unserer Wohnung aus haben wir uns im Laufe der Jahre, wie ein Maulwurf, durch das gesamte Schloss gearbeitet.“
Dass dieser Ort knapp 30 Jahre später so eine Außenwirkung haben würde, war nicht geplant und damals auch unvorstellbar. Heute ist Schloss Kohfidisch ein Veranstaltungsort für viele Feierlichkeiten. Neben dem „Kramuri“ und den bekannten Gartentagen, die jährlich weit über 10.000 Besucher anlocken, sind es auch Hochzeiten, die dem Schloss zu seinem prächtigen Ruf verholfen haben.
„Beim Bau unserer Wohnung war ich erstmals Bauherrin und habe, typisch burgenländisch, für die Arbeiter gekocht. Kochen kann ich nämlich viel besser, als mit Hammer und Nägel umgehen.“ An die erste Nacht in ihrem Schloss kann sich Sarah Keil noch gut erinnern. „Wir haben, naiv wie wir waren, auf einer Matratze, umgeben von Bauschutt, direkt vor dem offenen Kamin geschlafen. Was für eine Schnapsidee! Wir rochen tagelang nach abgestandenem Rauch“, lacht die Schlossherrin heute noch darüber.
In knapp drei Jahrzehnten renovierte Sarah Keil mit der Unterstützung ihrer Familie den Großteil des Schlosses. Sie lädt zum ersten Buschenschank, bekocht die erste Hochzeitsgesellschaft, erweitert die Familienwohnung, renoviert die Kapelle, baut eine Markthalle, gräbt buchstäblich den kompletten Schlossgarten um, wird zur Veranstaltungsexpertin und kümmert sich neben den vier Kindern auch um Angestellte, Mieter und Wald.
„Ich kenne jeden Baum“
„Das Schloss und die Veranstaltungen laufen eigentlich nebenher, mein Hauptberuf ist Forstwirtin. Mein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet, wenn es dunkel wird. Wie viele Stunden ich in unseren Wäldern verbringe, weiß ich gar nicht, aber ich denke, ich kenne mittlerweile wirklich jeden Baum darin“, sagt Sarah Keil.
Es fällt nicht schwer, sich die zierliche und wortgewandte Frau vorzustellen, wie sie mit Motorsäge in der Hand und Gummistiefeln an den Beinen durch ihre Wälder wandert. „Ich habe allerdings meistens die Hundeleine in den Händen – Bäume fälle ich nicht selbst“, schmunzelt sie. Wie man es mit so vielen Rollen trotzdem schafft, jede Nacht neun Stunden Schlaf abzubekommen? „Ich bin ein sehr spontaner Mensch und habe schlichtweg keine Zeit zum Grübeln. Vermutlich schlafe ich deshalb so gut und viel – herrschaftlich viel.“
Kommentare