LH-Vize und Kommissionsvorsitzender Pernkopf (r.) bei Lokalaugenschein am Voest-Gelände

© Philipp Monihart

Chronik Österreich
09/29/2018

Altlast "Kokerei Linz": Reinigung einer "Umweltbombe"

Die Sanierung der Kokerei in der Voest Linz verschlingt Millionen, gilt aber als mustergültig.

von Wolfgang Atzenhofer

Wegen ihres Zukunftsprojekts, mit umweltfreundlichem Wasserstoff Stahl produzieren zu können, wurde die Voest Linz zuletzt zum Treffpunkt der EU-Energieminister. Österreichs Umweltpolitiker pilgern derzeit aber auch aus einem ganz anderen Grund zu den Linzer Stahlkochern. Dort wird nämlich mit einem enormen Aufwand, aber auch technischer Raffinesse Österreichs größte Altlast saniert.

Zur AltlastKokerei Linz“ kam es, als im Zweiten Weltkrieg die damaligen Göring-Werke bombardiert wurden. Ein riesiges Areal im nördlichen Teil des späteren Voest-Werks wurde hochgradig mit Benzol- und Teerprodukten kontaminiert. Die Koksaufbereitung wurde nach dem Krieg am Gelände wieder hochgefahren und umliegende Bombentrichter gleich mit Abfällen aus der Teerdestillation und Benzolverarbeitung gefüllt.

Vor allem die Technologie, in einer innovativen Nasstrennanlage kontaminierten Schotter zu reinigen und gleich wieder am Gelände zu verbauen, nannte Niederösterreichs Landesvize und Vorsitzender der Bundesaltlastenkommission Stephan Pernkopf, bei einem Lokalaugenschein vorbildlich. Zigtausende Lkw-Fahrten können so vermieden werden.

Seit 2012 wird an der Sanierung des 35 Hektar großen Geländes mit rund 500.000 Kubikmeter hochgradig belastetem Untergrund gearbeitet. 20 Millionen Euro Förderung teilte der Bund nun für die Reinigung einer weiteren Teilfläche des Kokerei-Geländes zu. Insgesamt wird die Beseitigung dieser Altlast bei laufendem Betrieb bis ins Jahr 2035 dauern und 163 Millionen kosten. Bisher wurden 122 Mio. Euro aufgewendet. Die aktuelle Teilfläche wird bis 2020 bereinigt sein.

Vorbildhaft

„Die Altlastensanierung in Österreich hat Vorbildcharakter. Die systematische Sanierung von alten Deponien und Industriestandorten ist ein wesentlicher Beitrag, um erhebliche Umweltgefährdungen nachhaltig zu beseitigen“, sagt Pernkopf. Die Sanierungen haben allerdings auch ihren Preis. Die Zuschüsse für die öffentliche Hand sind geschmalzen. „In meiner Zeit als Kommissionsvorsitzender sind seit 2009 122 Sanierungsprojekt mit 279,1 Millionen Euro gefördert worden“, schildert Pernkopf. Und ein Blick auf den vom Umweltministerium aufgelegten und noch mit roten Markierungen übersäten Altlastenkataster (www.altlasten.gv.at) zeigt, dass Handlungs- und Finanzbedarf noch gigantisch sind.

Den größten Brocken vom Sanierungskuchen verschlangen bisher die Bundesländer Nieder- und Oberösterreich, wohin 46,5 Mio € (29 Projekte) und 158 Mio.€ (31) flossen.

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