Chronik | Österreich
07.09.2018

Saftige Millionenpleite eines Erlebnisbauernhofes

Tourismus-Betrieb hat rund 3,33 Millionen Euro Schulden, Behörde hat angeblich Baubewilligung aufgehoben.

Dieses Tourismusprojekt steht unter keinem guten Stern, obwohl laut KSV1870 rund 1,25 Millionen Euro investiert wurden. Die GailtalBauer Erlebnisbauernhof GmbH mit Sitz in Kirchbach, Kärnten, führt in ihrem Insolvenzantrag an, „dass das Unternehmen schon von Anbeginn des Projekts mit Problemen zu kämpfen hatte“.

„Angeblich wurden bei Erteilung der Baubewilligung Nachbarn übergangen, die dann in der Folge ein Rechtsmittel dagegen einbrachten“, zitiert der Gläubigerschutzverband AKV aus dem Konkursantrag. „Das führte zu ganz erheblichen Rechtsunsicherheiten und Verzögerungen. Aufgrund der Behebung der erteilten Baubewilligung verfügt die Schuldnerin aktuell über keine gültige Baubewilligung, was auch zu einer wesentlichen Wertminderung des Objektes führt.“

Darüber hinaus wurde entgegen den Erwartungen das Konzept "Erlebnisbauernhof" trotz aller Bemühungen nicht angenommen.

„Am Markt konnte auf diese Weise die Marke nicht etabliert werden und demgemäß auch der für ein erfolgreiches Fortkommen erforderliche Absatz nicht erzielt werden“, weiß der Gläubigerschutzverband KSV1870. „Mit den vorhandenen Mitteln, die aus dem Betrieb aktuell erwirtschaftet werden, können die Verbindlichkeiten nicht zeitgerecht bezahlt werden.“

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 3,332 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 2,041 Millionen auf verschiedene Geldgeber und Gesellschafter, 830.000 Euro auf Banken, 225.000 Euro auf Lieferanten und 71.000 Euro auf Abgabengläubiger.

Das Vermögen wird mit 850.000 Euro beziffert, davon entfallen 700.000 Euro auf Liegenschaften. Diese sind mit Hypothekar-Pfandrechten überbelastet. Der Rest entfällt auf Viehbestand und Betriebsausstattung.

Bereits im Jahr 2016 weist der Betrieb einen Bilanzverlust in Höhe von 458.000 Euro aus, ein Jahr später beträgt der Verlust fast 862.000 Euro. Im Geschäftsjahr 2015 erhielt der Betrieb laut Firmenkompass eine Förderung zur "Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe" in Höhe von 60.000 Euro.

Das negative Eigenkapital wurde 2017 mit rund 1,197 Millionen Euro beziffert, die Schulden mit rund 3,191 Millionen Euro. "Es liegt keine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechts vor, da die Gesellschafter ihre Forderungen als nachrangig erklären", heißt es im Bilanzanhang des Geschäftsjahres 2017.

Die Zukunft

Der Betrieb soll fortgeführt werden. Die Gesellschafter der GailtalBauer Erlebnisbauernhof GmbH sind laut Firmenbuch Rudolf Dollinger und Klaus Lederer.