© Willim Christian

Chronik Österreich
01/15/2019

Rechnungshof prüft das frisch eröffnete Haus der Musik

Dass die Plankosten überschritten wurden, ist bereits fix. Die Endabrechnung für den Bau in Innsbruck läuft noch.

Bis zur Eröffnung im vergangenen Oktober war das Haus der Musik (HDM) in Innsbruck eine von Österreichs größten Kulturbaustellen. Politisch bleibt das gegenüber der Hofburg errichtete Gebäude auf absehbare Zeit weiter eine Baustelle.

Laut KURIER-Informationen wird das HDM nun nämlich vom Rechnungshof in Wien unter die Lupe genommen. Das soll zwar nicht einem konkreten Verdachtsfall, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet sein, dass in Österreich nicht so oft ein neuer Kulturbau errichtet wird.

4,7 Millionen zu viel

Spannend werden die Ergebnisse der Prüfung allemal. Denn dass der Kostenrahmen von ursprünglich 58 Millionen Euro, der ohnehin eine zehnprozentige Toleranz enthielt, gesprengt wird, ist bereits seit vergangenem März bekannt. Laut einem damaligen Zwischenbericht der bauausführenden Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) dürfte das HDM mit 62,7 Millionen Euro zu Buche schlagen – 4,7 Millionen zu viel.

Was letztlich tatsächlich unter dem Strich als Endsumme stehen wird, ist noch offen. „Wir sind gerade mitten drin in der Endabrechnung“, sagt Franz Danler, Geschäftsführer der städtischen IIG.

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Die Mehrkosten argumentierte die damalige Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer im März 2018 mit der überhitzten Baukonjunktur. Ob das alleine als Erklärung taugt oder es Managementfehler gab, dürfte sich der Rechnungshof ganz genau anschauen.

Der hat Prüfkompetenz, da der Bund rund 15 Prozent der geplanten Errichtungskosten von 58 Millionen Euro bereitstellte. Den Rest übernahmen Stadt und Land zu etwa gleichen Teilen. Sie müssen sich auch die entstandenen Mehrkosten aufteilen.

Politische Debatten sind vor allem in der Stadt vorprogrammiert. Das HDM ist eines von mehreren Großprojekten der jüngeren Zeit, das den Finanzspielraum der Gemeinde massiv eingeschränkt hat und bei dem wie bei der Patscherkofelbahn die Kosten aus dem Ruder liefen.

Interessant wird nun auch, wie der Rechnungshof die Entscheidung bewertet, die IIG mit dem Bau zu beauftragen. Denn die 100-Prozent-Tochter der Stadt hat zwar Erfahrung in der Errichtung von Wohnhäusern, Altersheimen und Kindergärten. Ein kulturelles Multi-Funktionsgebäude wie das HDM hat die IIG freilich noch nie gebaut.

Komplexe Anforderung

Da es in Europa kein vergleichbares Projekt gäbe, hätten aber auch andere Unternehmen keine Erfahrungen, entgegnete Oppitz-Plörer dieser Kritik. Das Haus der Musik muss verschiedenste Anforderungen erfüllen. Es ist Konzerthaus, Theater, Heimstatt für Volksmusikvereine, aber auch Universitätsgebäude: Weil auch das Institut für Musikwissenschaft im Gebäude untergebracht wurde, ist auch der Bund als Finanzier an Bord.

Was noch fehlt, ist die Gestaltung des Vorplatzes. Die hat die Stadt aufgrund der angespannten Finanzsituation auf die lange Bank geschoben – womit sich der Kreis wieder schließt. Ausständig ist auch noch eine Lösung für den Leopoldsbrunnen vor dem HDM. Der wurde während der Bauarbeiten abgebaut, renoviert und inzwischen wieder aufgestellt. Das namensgebende Reiterstandbild ist jedoch nicht auf den Brunnen zurückgekehrt. Offiziell ist es eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums. Und das pocht auf eine teure Versicherung für die Statue.

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