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Rat auf Draht: 2025 gab es 141 Anrufe wegen vermisster Kinder

Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der Anrufe im Vorjahr um 22,6 Prozent. Großteil der vermissten Kinder sind Ausreißer
Eine Menschenmenge in Wien.

141 Mal wurde im Jahr 2025 die Hotline 116000 von Rat auf Draht gewählt. Dort können Eltern anrufen, wenn ihr schlimmster Albtraum wahr wird und das Kind verschwunden ist. Im Vergleich zu 2024 haben die Fälle, bei denen die Beratung durch die Experten am anderen Ende des Hörers beansprucht wurde, im Vorjahr um 22,6 Prozent zugenommen. Beim Großteil der Gespräche ging es um Jugendliche, die Reißaus von Zuhause genommen haben, hieß es von Rat auf Draht am Freitag.

"Neben emotionalem Beistand, den wir in dieser schwierigen Situation zu geben versuchen, geht es den meisten Eltern um konkrete Hilfestellungen, die zu einem schnellen Wiederfinden ihres Kindes führen", sagte Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht. Zudem versuche man auch mehr über die möglichen Gründe des Ausreißens zu erfahren und Eltern präventiv zu beraten. 

Häufig gehe es um familiäre Konflikte, weil sich Jugendliche nicht an vereinbarte Regeln halten wollen. "Ein sehr häufiger Grund ist, dass die Eltern das Übernachten beim Freund oder der Freundin verbieten. Es löst bei den Eltern ein großes Ohnmachtsgefühl aus, wenn sich Kinder nicht an Vereinbarungen halten", erklärte Satke.

Jugendliche können ebenfalls anrufen

Aber auch Jugendliche selbst rufen unter 116000 bei Rat auf Draht an, wenn sie nicht mehr weiter wissen: "Sie nennen derartige familiäre Konflikte als Hintergründe, aber auch emotionale, körperliche oder sexuelle Gewalt als Grund für das Ausreißen", führte Satke aus. Gemeinsam mit den jugendlichen Anruferinnen und Anrufern werde überlegt, wie es weitergehen kann und sie können selbst entscheiden, ob sie einen der Vorschläge der Beraterin oder des Beraters annehmen möchten. 

"Wir machen Jugendliche darauf aufmerksam, dass es gefährlich sein kann, auf der Straße zu übernachten, etwa wegen möglicher Übergriffe und dass es wichtig ist, sich Unterstützung zu suchen, wenn man es bei den Eltern nicht aushält", fügte Satke hinzu.

Die Hotline für vermisste Kinder wird in Österreich von Expertinnen und Experten von Rat auf Draht betrieben und bietet rund um die Uhr kostenlos und anonym emotionale Unterstützung und praktische Hilfe für Eltern - egal, ob es um Ausreißer oder Kindesentzug bzw. Kindesentführung ins Ausland geht. Rat auf Draht ist zudem Mitglied von "Missing Children Europe" und kann in diesem Netzwerk mit Vermisstenorganisationen anderer europäischer Staaten zusammenarbeiten. Unterstützt wird die 116000 Hotline vom Bundesministerium für Inneres und dem Bundeskanzleramt.

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