NÖ: Zu wenige Notärzte in Ausbildung
Im Vorjahr schlossen in NÖ nur 26 Notärzte ihre Ausbildung ab.
Im Ringen um den Erhalt einer dauerhaften Notarztversorgung am Standort Waidhofen an der Ybbs versucht das Aktionskomitee "Herzalarm" mit kritischen Analysen auch der akuten Personalnot in diesem Bereich auf den Grund zu gehen. Die Ybbstaler Mediziner und Experten aus dem Gesundheitsbereich orten dabei eine große Hürde im 2019 novellierten Ausbildungsgesetz für Notärzte.
Die neuen Vorschriften würden eine "fast unerfüllbare Praxisausbildung" bis zur Anerkennung als Notarzt vorschreiben, kritisieren die Waidhofner. Auch bei Vertretern der nö. Ärztekammer hätten sie mit ihren Anliegen Gehör gefunden. Die Mediziner wollen verhindern, dass 2027 der Waidhofner Notarztstützpunkt, laut nö. Gesundheitsplan, als einer von elf in NÖ aufgelassen wird.
Neue Notärzte
Der Umstand, dass in Niederösterreich im Jahr 2020 noch 789 Notärzte die Ausbildung abschlossen, 2024 nur mehr 83 und im Vorjahr lediglich 26, sollte alle Alarmglocken schrillen lassen, meinen die Waidhofner Mediziner.
"Das ist ein Punkt, den die Experten beim Gesundheitspakt unvorsichtigerweise vernachlässigt haben. Das bedeutet eine deutliche Verschlechterung der Versorgung", kritisiert der Sprecher der Gruppe, Alfred Lichtenschopf.
Ausbildung
Sein Medizinerkollege Klaus Katzensteiner, der frühere Leiter des UKH Linz, ist Notarzt und Ausbildner. In den Kursen in NÖ gebe es noch immer genügend junge Ärzte und Ärztinnen, die auch bekunden, in der Notfallmedizin arbeiten zu wollen, schildert er. "Von den rund 45 Teilnehmern in meinem Kurs geben 35 an, als Notarzt fahren zu wollen, am Ende bleiben dann nur zwei bis fünf übrig", so Katzensteiner.
Daraus sei zu schließen, dass zwar die theoretische Ausbildung funktioniere, dann aber die seit 2019 vorgeschriebene Praxisausbildung für die Anwärter in Kooperation mit ihrer Spitalsarbeit nicht mehr zu schaffen sei.
Chirurg und Notarzt Klaus Katzensteiner.
Statt einem früher 60-stündigen Kurs für "fertige" Ärzte dauert die Ausbildung zum Notarzt nun zumindest 33 Monate und beinhaltet neben definierten klinisch-praktischen Inhalten einen auf 80 Stunden erweiterten Kurs sowie 20 Notarzteinsätze mit komplexen Eingriffen, wie Intubationen unter Aufsicht. Ein Aspirant müsse zu 30 bis 40 Einsätzen mit einem ausgebildeten Notarzt ausfahren, um diese Qualifikation zu erfüllen, das sei im klinischen Betrieb für viele nicht mehr schaffbar, sagt Katzensteiner.
Kündigungen
Werden die handelnden Personen überlastet und im Stich gelassen, führe das zu Kündigungen, wie das zuletzt auch im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs der Fall war, berichten die Ärzte aus dem Ybbstal.
NÖ Ärztekammerpräsident Harald Schlögel.
Mit dem Vorschlag, Allgemeinmediziner – wie früher – besser ins Notarztsystem einzubinden, wurden Lichtenschopf und Katzensteiner auch bei Vertretern der Ärztekammer vorstellig. Man sei sich der Problematik bewusst, sagt der nö. Ärztekammerpräsident Harald Schlögel. Das erst kürzlich novellierte Ärztegesetz für die Notarztausbildung zu ändern, sei schwierig. Für die Zukunft könne er sich eine bessere Einbindung der Hausärzte in das First-Responder-System bei Notfällen am Land vorstellen, so Schlögel. Die Reformen in der Notfallmedizin durch den nö. Gesundheitsplan unterstützt er aber.
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