Chronik | Österreich
22.07.2018

Neue Luxusautos: Zwist um die Autoshow der Polizei

Luxusautos von X-Bow bis Mercedes G sollen Bewerber bringen – das polarisiert, auch innerhalb der Exekutive.

Am Samstag übergab das oberösterreichische Traditionsunternehmen KTM dem Generalsekretär des Innenministeriums, Peter Goldgruber, einen 300 PS starken Sportwagen. Kostenlos, wie es heißt. Goldgruber drehte anschließend eine Runde mit dem 100.000 Euro teuren X-Bow auf dem Salzburgring. Natürlich war ein Fotograf des Ressorts anwesend, um den Augenblick festzuhalten.

Nutznießer dieser Aktion sind wohl beide Seiten. KTM, dessen Chef Stefan Pierer rund 430.000 Euro an die Werbekampagne von Sebastian Kurz überwiesen hatte, bekommt mediale Aufmerksamkeit. Und die Polizei erhält einen Werbeträger. Auf der Straße wird dieser nicht zu sehen sein. Und außer Goldgruber wird auch kaum ein Polizist jemals am Steuer dieses flotten Fahrzeuges sitzen.

Hintergrund sind die Rekrutierungsmaßnahmen des Innenministeriums. 11.000 neue Beamten sollen in dieser Legislaturperiode gefunden worden. Dafür wurden bereits Schwimmtests bei der Eignungsprüfung gestrichen und mehr Tätowierungen erlaubt. Nun setzt man auf flotte Autos – zuletzt wurden dafür Audis und Mercedes G-Klasse-Geländewagen übergeben. „Dadurch haben wir einen Riesenzuspruch, bei den jungen Leuten kommt das extrem gut an. Wir haben deshalb steigende Interessentenzahlen“, sagt Alexander Marakovits, zuständig im Ministerium für die Kommunikation.

Überprüfen lässt sich das alles derzeit nicht, kritische Medien wurden bisher nicht eingeladen zu solchen Events und Präsentationen. Werbefotos vornehmlich für den Boulevard werden vom Ministerium zur Verfügung gestellt, PR-Texte von einem Mitarbeiter der hausinternen „Online-Redaktion“ verfasst, der durch einen Bericht, wie schön Abschiebeflüge sind, bekannt wurde. Auf der Seite des Innenministeriums wird entsprechend die „coole und bürgernahe Werbekampagne“ gelobt. „Das Image wird energiereich und dynamisch vermittelt“, heißt es dort.

In der Exekutive polarisieren diese Aktionen enorm, der KURIER wird oft von Beamten darauf angesprochen. „Wir werben beim Erzbergrodeo zwischen Jägermeister- und Ottakringerstand und gaukeln den Leuten vor, dass jeder zur Cobra kommen kann“, sagte zuletzt Reinhard Zimmermann (FCG), oberster Polizeigewerkschafter.

„Fassungslos“

„Man ist fassungslos, wenn man diese Methoden sieht. Geworben wird mit einer Mär“, wettert etwa Hermann Greylinger (FSG). „Man zeigt Luxusautos und Spezialeinheiten her, übersehen wird aber, dass 80 Prozent der Polizisten Dienst in einer Polizeiinspektion versehen müssen, oft mit unzulänglicher Ausstattung.“

Der neue X-Bow wird jedenfalls ein Hingucker werden auf den Rekrutierungsevents. Ob die gewünschten Anmeldezahlen für die Polizei-Aufnahmsprüfung dadurch steigen, bleibt vorerst jedenfalls abzuwarten.