In der Klinik ist die betroffene Abteilung untergebracht

© KAGES / Pachernegg

Chronik Österreich
12/13/2018

Nach Pflegeskandal wird Mängelliste abgearbeitet

Kommission prüfte Alterspsychiatrie in Graz, weil Patienten gequält worden sein sollen. Das brachte Missstände ans Licht.

von Elisabeth Holzer

Betagte Menschen, dement, inkontinent, krank. Letzter Platz im Leben ist oft die Alterspsychiatrie, in Graz eine Abteilung der Krankenanstaltengesellschaft (KAGES). Eine schwierige Situation für alle, Patienten, Angehörigem Pflegekräfte, Ärzte. „Das ist eine komplexe Thematik“, mahnt Alfred Stingl. „Oberflächliche Beurteilungen sind fehl am Platz.“

Die Kommission unter der Leitung des Grazer SPÖ-Altbürgermeisters Stingl hat sich Zeit genommen und genau hingeschaut: Seit im Juli seelische Grausamkeit gegenüber Patienten der Alterspsychiatrie bekannt wurden, sprachen die Mitglieder mit Angehörigen, mit allen Pflegekräften der vier Stationen sowie Ärzten und besuchten Patienten. Dabei stießen sie auf weitere Mängel, wie sie in ihrem Zwischenbericht festhielten. So werden teilweise Patienten in der Klinik fixiert, um Selbst- oder Fremdverletzungen zu verhindern.

Eine Maßnahme, die den Menschenrechten widerspricht, aber unter Auflagen erlaubt ist. Dies sei laut Patientenombudsfrau Renate Skledar „leider auf der ganzen Welt nicht zu vermeiden“. In Deutschland gäbe es aber als „gelinderes Mittel“ auch Sitzwachen: Medizinstudenten, die in den Zimmern Acht geben.

Volksanwalt Günter Kräuter berichtet von Missständen im Baubereich in Graz. „Es gibt Zimmer bis fünf, sechs Patienten, teilweise ohne Sichtschutz.“ Aufseiten der Pflegekräfte fand er bei einem unangekündigten Besuch Zwölf-Stunden-Dienste vor. „Das Personal ist engagiert“, versichert Kräuter. „Aber oft überfordert und am Rand des Burn-out.“

„Fehler bekennen“

Laut Spitalslandesrat Christopher Drexler, ÖVP, will die KAGES das Platzproblem rasch lösen: So soll der Bau eines Bettentraktes in Holzbauweise vorgezogen werden. „Wenn wir uns zu Fehlern in der Vergangenheit bekennen müssen, tun wir es.“ Altbürgermeister Stingl regt auch Angehörigengespräche im Spital als ständige Einrichtung an.

Günter Dörflinger, einst selbst SPÖ-Spitalslandesrat und nunmehr Aufsichtsratschef der KAGES, kündigt an, dass Sechs-Bett-Zimmer als erste Maßnahme nur zur Hälfte belegt werden sollen. Aber er gibt auch zu bedenken, dass die öffentliche Klinik keine Patienten abweisen darf. „Wir übernehmen sie, wir versorgen sie. Ich habe noch niemanden gesehen, der auf privater Basis geronto-psychiatrische Patienten versorgt.“

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