Chronik | Österreich
01.08.2018

Nach Pannenserie: Neuer Chef für die berittene Polizei

Wiener WEGA-Profi wird der neue Ausbildungsleiter der Reiterstaffel - er schrieb am Konzept mit.

Die berittene Polizei kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Mit 1. September wird nun überraschend ein neuer Ausbildungsleiter bestellt, es handelt sich dabei um den erfahrenen Pferdeprofi Thomas Maier. Der Oberstleutnant ist nicht nur bei der Wiener Eliteeinheit WEGA, sondern auch Leiter der Reitersektion des Wiener Polizeisportvereins. Maier wirkte darüber hinaus beim Konzept der Wiener Polizei zu Jahresbeginn mit, welches dann durch einen Beirat des Innenministeriums umgebaut wurde. Oder finanziell zusammengestrichen, wie Kritiker behaupten.

Ressortsprecher Christoph Pölzl bestätigt die Personalie, dementiert aber, dass es sich dabei um eine Entmachtung des bisherigen Ausbildungsleiters, Oberstleutnant Roland Pulsinger, handelt. „Es wird eine Ko-Existenz geben“, betont er gegenüber dem KURIER. Maier soll sich vor allem um den polizeitaktischen Teil der Ausbildung kümmern.

Pulsinger war zuletzt mehrfach unter Beschuss gestanden. Zunächst hatte eine dubiose Konstruktion für Aufsehen gesorgt, mit der er über einen privaten Verein und seine Ehefrau ein Geschäft in der ehemaligen Reiterhalle des Bundesheeres errichtet hatte (dazu laufen derzeit parlamentarische Anfragen der Neos). Dass vor zwei Wochen eine Reiterin stürzte und sich das Schlüsselbein brach, hatte das Innenministerium erst durch eine KURIER-Anfrage erfahren. Zusätzlich wurde das Pferd praktisch direkt vom Einkauf in einen Fototermin gejagt.

Fragliche Befehlskette

Danach stellten sich bei einer Prüfung disziplinarrechtliche Fragen, wie es heißt. Denn Pulsinger ist Oberstleutnant des Bundesheeres und damit dem Verteidigungsministerium unterstellt. Das Innenressort hätte kein unmittelbares Zugriffsrecht bei einem möglichen Fehlverhalten, da Pulsinger nur dienstzugeteilt ist. Der Unfall in der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt wurde jedenfalls sofort als Dienstunfall deklariert, sonst hätte es üble Folgen geben können. Denn nachdem es noch keine offiziellen Sättel gibt, wäre der Unfall eigentlich mit dienstfremdem Material passiert. Vor solchen Problemen hatte die Polizeigewerkschaft im Vorfeld gewarnt.

Im Juni hatte Innenminister Herbert Kickl zunächst gesagt, die Cobra werde das entsprechende Training übernehmen: „Bei Obstleutnant Roland Pulsinger sowie bei den Beamten der Cobra, die das einsatztaktische Training übernehmen werden, liegt die Ausbildung der Reiter sowie der Polizeipferde in den besten Händen. Sie alle sind ein Garant dafür, dass die berittene Polizei ein Erfolgsprojekt wird“, wird er auf der Medienseite des Innenministeriums zitiert.

Nun ist alles anders. Dass Pulsinger jetzt Maier als Aufpasser zugeteilt bekommt, hat eine gewisse Brisanz. Der WEGA-Mann war maßgeblich beim Konzept der Wiener Polizei beteiligt. Dieses vom KURIER aufgedeckte 150-seitige Papier zeichnete neben Kuriositäten wie Funknamen für die Reiterstaffel („Troja“ und „Hippo“) auch auf, dass sich die Beamten viele Gedanken über allerlei Details gemacht hatten. Allerdings waren die Vorschläge schlussendlich wohl zu teuer. Statt der einstigen Schätzung der FPÖ, wonach die Reiterstaffel nur rund 45.000 Euro pro Jahr kosten wird, war nun von bis zu sieben Millionen Euro für einen Standort in Wien die Rede und von Jahreskosten allein für den Probebetrieb von knapp 600.000 Euro.

Das Papier, an dem Maier mitgearbeitet hat, wird von vielen Experten als plausibel bezeichnet. Der Experte könnte die Reiterstaffel nun endlich aus den Negativschlagzeilen führen.