Diese Tunnelvortriebsmaschine geriet aus bisher unbekannter Ursache in Brand.

© APA/ÖBB/UNBEKANNT

Steiermark/Kärnten
02/06/2015

Kommission untersucht Brand im Koralmtunnel

Brandursache und Zustand der Tunnelvortriebsmaschine soll geklärt werden - In der Südröhre wird wieder gearbeitet.

Nach dem Brand eines Stromaggregats an der Vortriebsmaschine auf der steirischen Seite des Koralmtunnels (der KURIER berichtete) wird nun nach der Ursache des Feuers gesucht. Auch der Zustand der Maschine soll geprüft werden. Bei dem Brand im Tunnel konnten alle betroffenen 28 Arbeiter gerettet werden. Den Männern gehe es gut, sagte ÖBB-Sprecher Christoph Posch am Freitag.

Eine Kommission aus Vertretern der Baufirma, von Ministerien sowie Technikern soll die Brandstelle in der Nordröhre untersuchen. Noch ist nicht klar, wie hoch der Schaden ist und wie schnell die Arbeiten wieder aufgenommen werden können. Mittlerweile wurden in der in der Südröhre, auch hier war am Donnerstagnachmittag etwas Rauch eingedrungen, die Arbeiten wieder aufgenommen. Grundsätzlich liege man mit den Arbeiten im Zeitplan, hieß es. In der Nordröhre habe man etwas Vorsprung vor den Planungsvorgaben, in der Südröhre liege man gut. Der Durchstoß zur Kärntner Seite sei im ersten Halbjahr 2016 zu erwarten, hieß es seitens der ÖBB.

Löschanlage hat funktioniert

Das Feuer dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach von einem auf der 120 Meter langen Vortriebsmaschine angebrachten mit Diesel betriebenem Aggregat ausgegangen sein, sagte Posch. "Dadurch gab es eine große Rauchentwicklung", erklärte der ÖBB-Sprecher. Die auf der Maschine angebrachte Löschanlage habe aber funktioniert. Ausgebrochen ist der Brand während der sogenannten Vorrückphase. Dabei werden alle Versorgungsleitungen nachgezogen. In dieser Phase, die 15 Minuten dauert, wird die Vortriebsmaschine vom Aggregat angetrieben.

Vorbildliche Evakuierung

Die Evakuierung ist offenbar vorbildlich gelaufen: 21 Beschäftigte konnten sich relativ schnell mit einem Rettungszug in Sicherheit bringen. Sieben weitere flüchteten in einen Rettungscontainer. Dort wurden sie innerhalb kurzer Zeit von der Feuerwehr - die mit Wärmebildkameras und mit speziellen Atemschutzgeräten ausgerüstet war - mit einem Rettungsshuttle geborgen. Dieses ist laut Posch mit einem Überdrucksystem ausgestattet, das den Rauch abhält. "Genau diese Rettungsabläufe wurden erst im November geübt", sagte der ÖBB-Sprecher. Dies dürfte auch zum reibungslosen Verlauf der Rettungsaktion beigetragen haben. Alle Tunnelarbeiter konnten noch am Donnerstag aus dem Spital Deutschlandsberg entlassen werden, sie waren vorsorglich untersucht worden. Es gehe ihnen gut, wurde mitgeteilt, und es würde jede erdenkliche Hilfe angeboten.

In den beiden Röhren verlaufen Schmalspurbahnen, die für die Versorgung der Baustelle mit Material zuständig sind. Alle 500 Meter gibt es zwischen beiden Röhren sogenannte Querschläge, über einen solchen dürfte Rauch in die Südröhre gelangt sein.

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Mit 250 km/h von Graz nach Klagenfurt

Die Diskussion über Sinn und Unsinn des Koralmtunnel ist etwa so alt wie die Idee dafür. Ziel der zwei 32,9 Kilometer langen Röhren ist es jedenfalls, dass die Bahn zwischen Graz und Klagenfurt nur noch 45 Minuten braucht und so etwas über eine Stunde Fahrzeit eingespart werden kann. In vermutlich acht Jahren soll der Tunnel und die Strecke rundherum ausgebaut werden. Theoretisch sind dann Geschwindigkeiten bis 250 km/h möglich, wahrscheinlich werden aber nur 230 km/h freigegeben (wie auf der Neubaustrecke in Niederösterreich).

Die beiden Röhren verlaufen in einem Abstand von rund vierzig Metern und haben alle 400 Meter eine Verbindung in sogenannten Querschlägen, die im Gefahrenfall als Fluchttunnel dienen. In der Mitte der Röhren wird eine Nothaltestelle angelegt. Der Brandschutz ist damit auf dem aktuellsten Stand der Technik. Doch selbst die kann nicht alles verhindern, wie etwa beim Feuerunfall im Tauerntunnel 1999 zu sehen war. Sechs der zwölf Opfer starben damals, weil sie trotz enormer Rauchentwicklung in ihren Fahrzeugen sitzen geblieben waren.

Das 5,4 Milliarden Euro teuere Projekt Koralmtunnel ist die Verlängerung des transeuropäischen Korridors VI und damit Teil der internationalen Achse, die von Danzig über Warschau und Wien nach Triest, Venedig und Bologna führt. Der Koralmtunnel – er soll bis 2023 fertig gestellt sein – bildet neben dem Semmering-Basistunnel das österreichische Schlüsselstück des Baltisch-Adriatischen Korridors.

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