Chronik | Österreich
16.11.2018

Lotto-Jackpot: Warum Geld alleine nicht glücklich macht

Rund elf Millionen Teilnehmer werden am Sonntag auf den Geldsegen hoffen. Zufriedenheit bringt ein solcher aber nur bedingt.

Für Lotto-Spieler ist 2018 ein Glücksjahr. Rein rechnerisch sollte ein Sechsfachjackpot nur alle paar Jahre vorkommen, am Sonntag lockt allerdings der für heuer dritte Hauptgewinn dieser Art.

Damit besteht die Chance auf zehn Millionen Euro – mit einem einzigen Tipp liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser bei rund 1:8 Millionen. Die Österreichischen Lotterien erwarten, dass rund 11,3 Millionen Teilnehmer nach dem großen Glück greifen werden.

Viele von ihnen erhoffen sich vom Geldsegen wohl ein erfülltes Leben. Doch tritt diese Vorstellung auch ein? Macht Reichtum zufrieden? Und wenn nicht: Was ist dann Glück?

Die zufriedensten Länder

Laut World Happiness Report der Vereinten Nationen braucht es dazu mehr als Wohlstand. Soziale Unterstützung, ein gesundes Leben und Freiheit sind beispielsweise auch ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Bevölkerung.

Viel nachhelfen müssten die Österreicher ohnehin nicht: Die Alpenrepublik belegt im Glück-Ranking Platz zwölf von 156.

Ein Gewinn ist kein Blankoscheck

Viv Nicholson geht als Prototyp eines Lotteriegewinners aus kleinen Verhältnissen durch: 1961 gewann die Britin  151.000 britische Pfund, was heute einer siebenstelligen  Euro-Summe entsprechen würde.

Ihrem Motto getreu: „Ausgeben, ausgeben, ausgeben“ brachte sie das ganze Geld innerhalb weniger Jahre mit Designerkleidern, Männern, Alkohol und schnellen Autos durch. Glücklich machte es sie nicht.

Hirnforscher wissen warum: Das Glücksempfinden von Menschen ist mit den getrennten Systemen von Belohnung und Belohnungserwartung verbunden. Hirnphysiologisch sei Vorfreude die schönste Freude. Die Erfüllung mache nur glücklich, wenn sie unerwartet und verdient ist – sonst wird sie nämlich nicht als Belohnung empfunden.

Umfrage: Was bedeutet für Sie Glück?

Was bedeutet für Sie Glück?

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Markus Flasch

„Familie, einen guten Job haben, eine gute Ausbildung genießen, Zeit mit Freunden verbringen. Mit zehn Millionen Euro würde ich ein Haus bauen und schauen, dass es meiner Familie gut geht.  Ansonsten würde ich einen schönen Urlaub machen und ein Auto kaufen.“ 

Gertrude Meisinger

„Glück ist für mich ganz einfach: Gesund sein und bleiben. Was das Schicksal bringt, können wir ohnehin nicht ändern. Einen großen Lottogewinn wie am Sonntag würde ich nicht alleine aufbrauchen, sondern auch anderen Menschen  etwas davon  abgeben.“  

Karl Feirer

„Glück bedeutet für mich vor allem Ruhe und Zufriedenheit. Körperliche Gesundheit gehört allerdings auch mit dazu. Einen Sechsfach-Jackpot würde ich wahrscheinlich verschenken. Ich würde den Gewinn meinen  Kindern und Enkelkindern geben.“ 

Jenny Diones

„Glück heißt für mich, meine Familie um mich zu haben. Sollte ich den Sechsfach-Jackpot knacken, würde ich mir einige Wünsche erfüllen, die ich derzeit habe: Beispielsweise eine  Wohnung kaufen, vielleicht auch etwas Ansparen –  ich würde einfach etwas Gutes damit anstellen.“

Das erklärt, warum ein Lottogewinn meist kein Blankoscheck für das Glück ist. Er kommt zwar unerwartet, aber unverdient.

Studien mit Lottogewinnern zeigen: So ein Hauptgewinn löst zwar tatsächlich einen Glückskick aus, verpufft aber nach ein paar Monaten, spätestens in ein bis zwei Jahren. 

Letztlich gewöhnen wir uns einfach emotional an die neuen Lebensumstände. Das, was einst besonders glücksstiftend war, wird  Normalität.

Stau im Ferrari

Oder wie es der deutsche Glücksforscher und Lotto-Berater Stephan Lermer einmal ausdrückte:  „Konsum selbst ist keine Glücksquelle.“ Denn: „Dann steht man halt mit dem Ferrari im Stau.“

Allerdings gebe es zwei Ausnahmen: Wer andere Menschen glücklich macht, kann selbst glücklicher werden. Dasselbe gilt für Lottogewinner, die nach dem Gewinn in sich investieren, etwa in Form einer Weltreise oder mit der  Gründung einer Firma.

Wirklich glücklich machen aber befriedigende Beziehungen – Freunde, Familie, Partner. Grund: Materielle Dinge, auch Erfolg bei der Arbeit und Lob durch den Chef verlieren bei Wiederholung ihre aufmunternde Wirkung. Das Hirn winkt dankend ab: Hatten wir schon, bitte mal was Neues.

Meinungsumfrage zum Thema Glück