In der Café-Konditorei Aida am Stephansplatz ist die Freude über den Fall der Maskenpflicht groß

© Kurier/Jeff Mangione

Reportage
07/01/2020

Lockerungen: Wenn - trotz steigender Zahlen - die Masken fallen

Aufatmen in der Gastronomie, wo seit heute, Mittwoch, keine Masken mehr getragen werden müssen. Der KURIER ist in den Lokalen und berichtet live.

von Theresa-Marie Stütz, Laura Schrettl, Markus Strohmayer und Adrian Zerlauth

Die Zahl der Corona-Erkrankten ist in Österreich, wie berichtet, zuletzt wieder angestiegen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober zeigt sich vor allem wegen der regionalen Ausbrüche „in Sorge“ und auch die Ärztekammer mahnt - speziell in geschlossenen Räumen -, weiter einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Ungeachtet dessen werden seit heute, Mittwoch, die Sicherheitsmaßnahmen in Österreich weiter runtergefahren. Besonders in der Gastronomie kam es zu Erleichterungen, wo Kellner ab sofort keine Maske mehr tragen müssen, Lokale können nun um 5.00 statt wie bisher um 6.00 Uhr aufsperren. Und auch Buffets mit Selbstbedienung wieder möglich sind. Für kleine Bars wird die Thekenausschank möglich sein.

Im Café Landtmann zeigte man sich am Mittwochvormittag über die Lockerungen erfreut: "Sensationell", bezeichnet Service-Leiter Alois Wurzer dort die neue alte Arbeitsweise. Dem 40-Jährigen zufolge, sei das Arbeiten so viel angenehmer. Sein Kollege, der 20-jährige Kellner Sebil Emini stimmt ihm zu und erzählt, dass das transparente Gesichtsschutzschild rote Abdrücke im Gesicht hinterlassen hätte.

Unwohl fühlen sich die Gäste des Traditionskaffeehauses im ersten Bezirk nicht. Aufgrund der nun fehlenden Masken nicht, weil "der Sicherheitsabstand ja grundsätzlich eingehalten werde", erzählen Gabrielle und Michael Giebisch, während sie in der Sonne ihren Kaffee genießen. Die beiden 48-Jährigen sehen das Problem eher in den Supermärkten und den Straßenbahnen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Balthasar Kaffee Bar in der Leopoldstadt: "Hinter der Kaffeemaschine hat es schon Mal 40 Grad. Wenn es so heiß wie heute ist, ist es furchtbar. Man kriegt keine Luft", sagt Cosima Lehninger. Wegen neuer Infektionen macht sie sich keine Sorgen, da alle Mitarbeiter weiter sehr vorsichtig seien, Hände waschen, desinfizieren und Abstand halten würden.

Die zahlreichen Kunden, die in der Früh in einer Schlange auf ihren Kaffee warten, wirken auch eher unbesorgt. Nur vereinzelt tragen sie freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die meisten Gäste können die Freude des Personals nachvollziehen und sehen die Lockerung positiv, "solange der Hausverstand da ist". Etwas skeptischer ist Angelos aus Griechenland: "Wir sollten die Maske noch ein paar Monate tragen, das wäre sicherer. Wir sollten uns an Asien orientieren, dort ist es ganz normal. In Österreich fühlen sich viele durch die Maske eingeschüchtert."

Freiwilligkeit im Schweizer Haus

Im Schweizer Haus freut sich Geschäftsführer Karl Kolarik, dass wieder Normalität einkehrt. Gleichzeitig überlässt er seinen Mitarbeitern, ob sie in Zukunft eine Maske tragen wollen oder nicht. "Wir gehen offen mit dem Thema um und haben natürlich im Hinterkopf, dass sich die Situation wieder verschärfen könnte", sagt Kolarik.

Einer, der weiterhin und ganz freiwillig seine Maske trägt, ist Kellner Leo Dudukovic, der den Mund-Nasen-Schuitz sowohl im Umgang mit den Gästen als auch dem Essen hygienischer findet. "Bei meiner Arbeit komme ich in Kontakt mit sehr vielen Menschen und auch wenn die Maske weder mich selbst noch die Gäste zu 100 Prozent schützt, halte ich schon 10 Prozent für sinnvoll."

Die letzten Maskenträger

Im Alt Wien in der Inneren Stadt halten sich Freude und Sorge die Waage. Werner Vlasich arbeitet dort als Kellner und musste nur einen moderaten Schutz tragen, der am Kinn befestigt wurde. Aufgrund der zuletzt steigenden Zahlen hat er leichte Bedenken, dass dieser in Zukunft nicht mehr getragen werden muss. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass die Kellner zu den Letzten gehörten, die noch Masken tragen mussten. "Es war also an der Zeit." 

An der Zeit wäre es auch für viele Frisörinnen und Frisöre des Landes. Beim BundyBundy-Salon im zweiten Bezirk wäre es der Frisörin Dali Markovic lieber, wenn die Maske runter kommt. "Aber ist halt jetzt so. Zumindest haben wir eine Klimaanlage."

Filialleiterin Isabella Hahn findet die durchaus wichtig: "Ich habe mich schon daran gewöhnt, ich will niemanden von unseren Kunden anstecken. Wir haben wirklich viele Kunden die älter sind, ich habe nicht Angst um mich sondern um die Kundschaft."

Ihre Kollegin Markovic kann hingegen nicht nachvollziehen, warum Kellner keine Maske mehr brauchen, sie aber schon. "Am liebsten würde ich der Regierung einen Brief schreiben", ärgert sie sich.

Mehr Verständnis für die teilweise noch geltende Maskenpflicht zeigt die Apothekerin Jovana Javoric Pavic. Sie findet es gar nicht gut, dass die Masken überall fallen. "In Geschäften und Restaurant sollten wir alle weiter Masken tragen. Da geht es rein um die Sicherheit."

"Ich glaube, dass die Situation wieder ärger wird. Weil die Masken wegfallen und auch weil die Leute keinen Abstand halten. Die Leute haben keine Disziplin. Viele glauben, dass das Coronavirus ein Witz ist", kritisiert sie.

Eine der wenigen Orte, an dem die Masken noch getragen werden müssen, sind öffentliche Verkehrsmittel. Sylvia Pfriemer, die gerade am Weg zur U-Bahn ist, hält es für sehr fahrlässig, dass die Masken überall fallen. "Ich trage die Maske weiter freiwillig im Supermarkt", sagt sie. 

"Endlich sehe ich Ihr Lächeln wieder"

Wie befremdlich die Masken für viele Menschen sind, zeigt ein Szene in der Café-Konditorei Aida am Wiener Stephansplatz. Stammgast Herfried Gruber begrüßte Kellnerin Sylwia freudig mit: "Endlich sehe ich Ihr Lächeln wieder". Die Kellnerin sieht das ganz ähnlich: "Endlich kann ich die Gäste wieder anlächeln - und normal atmen."

"Man versteht die Leute wieder besser", fügt Kellner Daniel hinzu.