Amphibien sind wieder auf dem Weg zu ihren Laichgewässern

Kröten, Frösche und Co. machen sich gerade wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Durch den Straßenverkehr verläuft dieses Unterfangen oft tödlich.
Amphibien sind wieder auf dem Weg zu ihren Laichgewässern

Zusammenfassung

  • Amphibien wandern derzeit zu ihren Laichgewässern, wobei Straßen eine große Gefahr darstellen und viele Tiere dabei sterben.
  • Naturschutzorganisationen setzen Schutzmaßnahmen wie Amphibienzäune und die Zaun-Kübel-Methode ein, um die Tiere sicher über Straßen zu bringen.
  • Alle 20 Amphibienarten in Niederösterreich sind gefährdet, freiwillige Helfer unterstützen die Wanderung und Autofahrer werden zu besonderer Rücksicht aufgerufen.

Wenn die Temperaturen steigen, klettern Kröten, Frösche und Molche aus ihren Winterverstecken im Wald und machen sich auf den Weg. Sie begeben sich zu Teichen und Tümpeln, wo sie sich fortpflanzen und ablaichen, bevor sie wieder in ihre Sommerquartiere im Wald zurückkehren. „Die Amphibienwanderung hat schon begonnen und dauert mehrere Wochen, voraussichtlich bis Mitte April“, so Melina Maier vom Naturschutzbund. Obwohl die Amphibien alljährlich nur eine kurze Zeit auf Reisen sind, beschäftigt das Schauspiel die Naturschutzorganisation fast das ganze Jahr.

Seit 2009 werden in einem umfassenden Amphibienschutzprojekt neue Amphibienwanderstrecken erschlossen und markiert. Wo permanente Lösungen wie Tunnel nicht möglich sind, werden in Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei Amphibienzäune aufgestellt und Kübel eingegraben. So wandern die Tiere am Zaun entlang und plumpsen dann in den Kübel, wo sie darauf warten, auf die andere Seite getragen zu werden. Der Vorgang wird Zaun-Kübel-Methode genannt.

Alle Arten auf Roter Liste

Amphibien haben es in Niederösterreich nicht leicht. Ihnen steht immer weniger Lebensraum zur Verfügung, geeignete Laichbiotope sind selten geworden und Straßen zerschneiden ihre Wanderrouten. „Alle 20 Amphibienarten stehen auf der Roten Liste und sind damit stark gefährdet“, fasst Maier die Situation zusammen. Dazu kommt die hohe Zahl der Tiere, die beim Überqueren der Straße sterben. Rund 100.000 Amphibien überleben ihren Brautzug nicht.

Dabei wären die Tiere nicht nur in der Nahrungskette ein wichtiges Glied, sie sind außerdem wichtige Indikatoren für die Umweltgesundheit. Da sie sehr empfindlich gegenüber Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, geben sie Auskunft über die Qualität von Wasser und Lebensraum. Vor allem Autofahrerinnen und Autofahrer können den Amphibien helfen. „Am besten man vermeidet Straßen, auf denen Kröten wandern in der Dämmerung“, so Maier.

Ist ein Ausweichen nicht möglich, empfiehlt die Expertin ein möglichst langsames Tempo, um auf Kröten und Zaunbetreuerinnen und Betreuer Rücksicht zu nehmen. Der WWF appelliert auf seiner Webseite außerdem dazu, die Hunde in der Nähe von Laichgewässern anzuleinen und keine Gewässer trockenzulegen. Welche Gebiete bei den Amphibien besonders beliebt sind, kann man über den Niederösterreich Atlas oder Google Maps herausfinden.

Wanderung nachts und bei Regen

Von Ende Jänner bis April haben die Gebietsbetreuerinnen und Betreuer, sowie die Zaunhelferinnen und Helfer am meisten zu tun: Zäune müssen aufgestellt und Kübel eingegraben werden, außerdem organisieren sich die freiwilligen „Froschklauber“. Diese bringen die Tiere während ihrer Wanderung sicher auf die andere Straßenseite.

Die Jobbedingungen sind dabei oft widrig, denn die Amphibien wandern vor allem gerne in der Dämmerung und wenn es regnerisch ist. Gummistiefel, Regenmantel und bei stark befahrenen Straßen eine Warnweste gehören so zur Grundausstattung eines freiwilligen Froschklaubers. Warum sich die Amphibien im Schutz der Dunkelheit bewegen, erklärt sich durch einen Blick auf ihre Haut: Die empfindliche Schleimhaut würde in der Sonne leicht austrocknen, außerdem ist es den wechselwarmen Tieren in der Sonne oft zu heiß.

Froschklaub-Börse

Wer überdies mehr Engagement zeigen möchte, kann sich den freiwilligen Helferinnen und Helfern anschließen, beispielsweise über die Froschklaub-Börse des Naturschutzbundes.

Dann trägt man mindestens ein Mal pro Tag den mit Amphibien gefüllten Kübel über die Straßenseite und dokumentiert die Anzahl und Art der Tiere. Dabei kann man auch die heimische Fauna besser kennenlernen, denn in den Kübeln finden sich neben der Erdkröte oft noch Feuersalamander, Bergmolche, Grasfrösche und Unken. Freiwillige werden mit einigen Goodies ausgestattet, mit dabei ist auch eine regenfeste Bestimmungshilfe, damit man weiß, wem man über die Straße geholfen hat.

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