Chronik | Österreich
14.08.2018

Kindergartengebühr: Orte unsicher, wie es weitergeht

Nachmittagsbetreuung in Kindergärten - Evaluierung noch im August.

„Wir hätten nicht gedacht, dass es uns so brutal erwischt.“ Monika Pachinger, SPÖ-Bürgermeisterin aus Ampflwang, weiß noch nicht so recht, wie sie in wenigen Wochen die Nachmittagsbetreuung regeln soll. Bevor das Land Oberösterreich die Einführung der Nachmittagsgebühren in Kindergärten verordnet hatte seien 70 Schützlinge betreut worden. Jetzt seien es maximal zwölf, schildert die Ortschefin.

Um den Herbststart im Kindergarten zu organisieren warte sie noch auf Direktiven des Landes, erklärt Pachinger. Wie ihr geht es vielen Bürgermeistern in Oberösterreich. Noch kann das Land keine offiziellen Zahlen nennen, wie viele Kinder nach Start der Gebührenpflicht in Betreuung geblieben sind. Um die 20 Prozent, also zwischen 3000 und 3500 Kinder seien abgemeldet worden, erklärte Gemeindebundpräsident Johann Hingsamer, ÖVP, nun im OÖ KURIER am Sonntag.

Eine unter allen Gemeinden beauftragte Erhebung soll genaue Daten bringen und so eine Evaluierungen der Gebührenpflicht ermöglichen, hatte ÖVP-Landesrätin Christine Haberlander angekündigt. Dabei bleibe es auch, „noch im August werden die Zahlen veröffentlicht“, wird aus ihrem Büro angekündigt. Mangels eigener Unterlagen könne man die Zahlen des Gemeindebundpräsidenten aber nicht bestätigen.

Massenabmeldungen

Hellhörig wurden aber die Gegner der Gebühren. „Erstmals nennt ein ÖVP-Mitglied Zahlen und belegt, dass es massenhaft zu Abmeldungen gekommen ist“, sagt SPÖ-Landesgeschäftsführerin Bettina Stadelbauer.

Betroffen seien zwei Familiengruppen: „Jene, die sich die Gebühren nicht leisten können oder wollen. Und dann Eltern, die es sich leisten würden, aber in der Gemeinde kein Betreuungsangebot mehr haben, weil zu wenige Kinder für eine Gruppe gemeldet wurden “.

Auch viele an den Nachmittagen beschäftigte Pädagoginnen wären verunsichert, wie es weitergeht. „Bis zu den Ferien haben wir die Betreuerinnen trotz der Abmeldungen aus sozialen Gründen weiterbeschäftigt. Kommen im Herbst nicht mehr Kinder, können nicht alle bleiben“, berichtet Bürgermeisterin Pachinger.

Wolfgang Atzenhofer