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Chronik Österreich
10/03/2019

KaDeWe: Das sagen Experten zum Neubau

Aus dem Leiner der Mariahilferstraße wird ein Warenhaus nach Berliner Vorbild. Experten loben vor allem Dach und Fassade des Neubaus in Neubau.

von Bernhard Ichner, Anna-Maria Bauer

Der Tenor ist einhellig: Einen Tag nach der Präsentation wird das Wiener KaDeWe – das als Warenhaus nach Berliner Vorbild anstelle des Leiner in der Mariahilfer Straße 18 entstehen soll – von Raumplanern, Stadtbildschützern und Vegetationstechnikern begrüßt. Ein "Aber ..." kommt von manchen doch.

Herbert Bork, Raumplaner des Büros Stadtland, gehört nicht zu ihnen. Er findet nur positive Worte für das fünfstöckige Einkaufserlebnis: "Es fügt sich in die Tradition der Mariahilfer Straße ein", sagt er. Sei es doch eine Fortsetzung der Gemischtwarenhandlungen, die es immer schon in der Einkaufsstraße gegeben hat. Und mit seiner Dachbegrünung schlage es eine Klammer zum Ikea, der am oberen Ende der inneren Mariahilfer Straße mit Dach- und Fassadenbegrünung entstehen soll.

Sieben Grad kühler?

Besagte Dachbegrünung wurde auch vom niederländischen Architektenbüro OMA bei der Präsentation in den Vordergrund gerückt: Die Pflanzen würden die Umgebung um bis zu sieben Grad kühlen.

Eine realistische Einschätzung? Nicht ganz, wird klar, wenn man Experten fragt. "Die sieben Grad sind hoch gegriffen und beziehen sich wohl auf die direkt darunter liegenden Räume", sagt Florian Reinwald vom Institut für Landschaftsplanung an der Boku. "Eine Kühlwirkung, die bis in den Straßenfreiraum reicht, ist unrealistisch."

Auch die Glasfassade lässt daran Zweifel aufkommen: Der thermische Ertrag einer Glasfassade ist hoch. In der nächsten Sekunde ergänzt Reinwald: "Aber natürlich hilft so ein Projekt die urbane Überhitzung zu reduzieren, gerade im dicht verbauten 7. Bezirk."

Auch sein Kollege, der Vegetationstechniker Bernhard Scharf, begrüßt jeden sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein: "Pflanzen kühlen ja nicht nur, sie erzeugen Sauerstoff, nehmen auf und reduzieren den Schall."

Marcus Schmengler

"Man hätte  mehr von der historischen Fassade erhalten sollen. Wien bräuchte eigentlich kein weiteres Einkaufszentrum, aber das ist halt der Lauf der Dinge. Ich bin mehr ein Fan des Einzelhandels – der macht die Stadt bunter."

Lena Langbauer

"Die Optik gefällt mir nicht, weil hier ein Teil des historischen Wiens verloren geht. Es hätte gereicht, im Gebäudeinneren zu modernisieren. Prinzipiell finde ich es aber gut, dass das Angebot auf der Mariahilfer Straße erweitert wird."

Daniel Mada:

"Wirklich nötig wäre das KaDeWe nicht – auf der  Mahü gibt es eh 1000 Geschäfte. Aber mich freut jeder zusätzliche Frequenzbringer. Je mehr Leute in die Gegend kommen, desto mehr kommen in mein Lokal, die K&K Bier- Kanzlei."

Vanessa Verdino

"Ich finde das Projekt sehr gut. Ich denke, dass die Mariahilfer Straße  belebt werden kann. Außerdem werden durch dieses Kaufhaus wohl neue und exquisite Marken nach Wien kommen, die es  bis dato nicht hier gibt. Das kann einer Weltstadt nur guttun."

Jochen Kramer

"Ich begrüße das sehr!  Zum einen bin ich ein  großer Fan des stationären Handels, ich kaufe eigentlich  nie online. Und zum anderen arbeite ich für eine Firma,  die es bedauert, dass wir bis dato kein derartiges Warenhaus (außer den Steffl) in der Stadt haben."

Gabriela Brandenstein

"Also mir gefällt das nicht. Ich mag so große Ketten aber auch nicht. Ich bin eine Unterstützerin des Individuellen – und das geht durch solche Häuser leider verloren.  Online kaufe ich übrigens auch nicht gerne, ich geh am liebsten in kleine Geschäfte."

Unterdessen ist die Initiative Denkmalschutz mit ihrer Kritik zurückgerudert: "Unsere Angst war, dass nicht nur das Eckhaus Mariahilfer Straße 18, sondern auch das Haus Mariahilfer Straße 12-16 abgerissen wird", sagt Sprecher Markus Landerer. "Hier gibt es aber Entwarnung. Die Fassade bleibt."

Einen Wermutstropfen gebe es doch: "Schade ist, dass die schöne gusseiserne Stiege im Inneren verschwinden wird."

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