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Bewahren, schützen, töten: Jagd zwischen Tradition und Moderne

Der oö. Landesjägermeister Sieghartsleitner über „schwarze Schafe“, den Einsatz von KI und erschossene Hunde.
Eine Person zielt mit einem Gewehr samt Zielfernrohr in eine unscharfe Landschaft.

Es ist ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen veralteten und zeitgemäßen Rollenbildern, zwischen Naturschutz und Tierwohl. Jagd polarisiert - auf vielen Ebenen.

Eine davon betrifft den Umgang mit Schusswaffen. Wer die Ausbildung samt Jagdprüfung positiv absolviert, ist in Österreich dazu berechtigt, Langwaffen zu benutzen - ganz ohne Waffenbesitzkarte.

Dass dieser Punkt eine Lücke für alle auftun könnte, die sich die psychologische Testung ersparen wollen (die müssen Jäger nämlich nicht machen), weiß auch der oberösterreichische Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner. Im Rahmen eines Gesprächs über das 80-jährige Bestehen des Landesjagdverbandes erklärt er deshalb: „Sollten wir einen Verdacht hegen, dass Personen einen vereinfachten Zugang zu Langwaffen anstreben, melden wir das der Behörde.“ Die greife dann ein. Prinzipiell seien Ausbildung und Prüfung für den Erhalt des Jagdscheines aber sehr herausfordernd: „Das muss man sowieso erst mal schaffen“, so der oberste Jäger des Bundeslandes.

Immer mehr Jägerinnen

140.000 Jägerinnen und Jäger gibt es derzeit in Österreich, Tendenz stetig steigend. Der Anteil der Frauen liegt derzeit bei rund 10 Prozent. „Dabei haben früher auch Frauen immer gejagt - bis das Patriarchat kam“, erklärt Isabella Boitllehner, Sozial- und Wirtschaftswissenschafterin, Autorin und selbst Jägerin. Sie betont jene Kompetenzen, die vor allem Frauen in die Jagd mitbringen würden: Kommunikationsfähigkeit, einen Blick auf das große Ganze und Verantwortungsbewusstsein.

„Kein perfektionierter Tötungsakt“

Vor allem Letzteres ist auch entscheidend, wenn es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Jagd geht: „Mit dieser neuen Technik kann der Mensch erstmals die Sinne des Wildtieres übertreffen. Diese Möglichkeiten dürfen wir nicht ausschöpfen, denn die Jagd ist kein perfektionierter Tötungsakt“, sagt Landesjägermeister Sieghartsleitner. Bei der Jagd gehe es um Fairness und die Chance des Wildes, sich zu entziehen.

Eine Person mit Hut zielt mit einem Gewehr direkt nach vorne, der Lauf ist im Vordergrund scharf zu sehen.

Die Ausbildung dauert fünf Monate und endet mit einer Prüfung.

In welchem Revier innerhalb welches Zeitraumes wie viele Tiere entnommen werden dürfen, entscheiden die zuständigen Behörden in Abschussplänen. Das Ziel: den aktuell gerade stattfindenden Waldumbau in Richtung klimaresistenter Bäume durch Regulieren, Austarieren und, wenn es sein muss, auch Reduzieren des Wildbestandes zu unterstützen.

Gemeinschaft und Traditionen

„Für viele ist das, was wir tun, verwerflich. Wir gehen nicht oberflächlich und leichtfertig mit unseren Aufgaben um“, erklärt der oberste Jäger von Oberösterreich. Und diese Wertehaltung sei es auch, die den aktuellen Zustrom zur Jagd ausmache, so Sieghartsleitner. Die Lebensmittelbeschaffung werde als Grund immer wichtiger, dicht gefolgt von der Gemeinschaft, der Verbindung mit Traditionen und der Beschäftigung mit der eigenen Sterblichkeit. Dass es dabei auch immer wieder schwarze Schafe in der Jägerschaft gibt, ist dem Experten bewusst. „Die müssen wir herausfiltern.“ Die Zahl sei aber sehr überschaubar, fünf Jagdscheine seien im Vorjahr in Oberösterreich entzogen worden. Seit rund einem Jahr gibt es deswegen auch eine Melde- und Beratungsstelle.

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