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Chronik | Österreich
05/06/2019

Illegale Ablagerungen: Müllsünder treiben Kosten in die Höhe

Trotz Müllsammelstellen landet weiter zu viel Abfall im Wald und neben den Straßen

Abgerissene Küchenblöcke, Dutzende Auto- und Lkw-Reifen sowie Bauschutt: Mehr als 7.200 Tonnen Müll musste der Straßenerhalter Asfinag 2018 im Umfeld von Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen entfernen.

Spitzenreiter ist Niederösterreich: Dort wurden im Vorjahr 1.700 Tonnen Müll an den Raststationen beziehungsweise Straßen entsorgt, Schlusslicht ist die Bundeshauptstadt Wien mit nur 36 Tonnen Abfall.

Der Müll und damit die Kosten für die Entsorgung steigen Jahr für Jahr, sagt Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla. „Wir produzieren einerseits mehr Müll und andererseits wird das Netz an Raststationen, wo diese Müllentsorgungen stattfinden, dichter.“

Entsorgung als Problem

Doch die illegale Abfallentsorgung ist nicht nur für den Straßenerhalter ein Problem. Auch Länder und Gemeinden haben mit der Entsorgung der Müllberge zu kämpfen. Einen alten Kinderwagen, eine verstümmelte Sex-Puppe und Plastikgeschirr – das war unter anderem die Ausbeute bei der Flurreinigung in der burgenländischen Gemeinde Schattendorf an der Grenze zu Ungarn.

Immer wieder käme es vor, dass sich Leute die Kosten für die Entsorgung sparen wollten, sagt Bürgermeister Hans Lotter. „Wenn man ein paar Schritte weiter ungarischen Boden betritt, sieht es noch viel schlimmer aus. Dort ist das Müllproblem sicher um einiges größer“, ist Lotter überzeugt.

Beim Gemeindebund ist man sich des Problems illegaler Müllablagerungen bewusst. Die Gemeinden betreiben insgesamt rund 1.800 Altstoffsammelzentren in ganz Österreich, die private Abfallwirtschaft weitere 1.100 Anlagen zur Mülltrennung. Gemeinden und Bürgermeister seien seit Jahren bemüht, schon Schüler mit dem Thema Müllvermeidung vertraut zu machen.

Andere Gemeinden greifen zu härteren Mitteln. Angefangen von Appellen in der Gemeindezeitung bis hin zu – nicht legaler – Installation von Wildkameras reicht die Bandbreite. Damit wurde auch schon so manches Schäferstündchen beobachtet, heißt es von einem Gemeindebediensteten, der anonym bleiben möchte. Oft reiche die bloße Ankündigung, dass Kameras installiert werden, aus, um Ablagerungen zu verhindern.

Hohe Kosten

In Niederösterreich gibt es von Seiten der Landesregierung keine konkreten Zahlen, wie viel illegal abgelagerter Müll von den Abfallverbänden entsorgt wird.

Konkrete Zahlen gibt es allerdings von den Frühjahrsputzaktionen, und diese sind bereits erschreckend hoch. Rund 230 Tonnen an Müll wurden im vergangenen Jahr von Niederösterreichs Gemeinden bei Aktionen zwischen März und Juni aufgesammelt.