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Chronik Österreich
01/15/2019

Evakuiertes Hotel in Ramsau von Lawine getroffen

Rund 60 Leute hatten den Betrieb erst am Montag verlassen müssen. Die Lawine drang bis Ramsau vor.

Eine Lawine hat in der Nacht auf Dienstag ein erst Montagnachmittag wegen Gefahr im Verzug evakuiertes Hotel in der Ramsau im obersteirischen Bezirk Liezen getroffen. Die Schneemassen waren zum Teil bis in die Ortschaft Ramsau vorgedrungen. Das teilten die Polizei und das Büro von Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) mit. Die Einsatzkräfte konnten aber Entwarnung geben, laut Landeswarnzentrale wurde niemand im angesuchten Lawinenkegel gefunden.

"Das gesamte Ausmaß werden wir erst jetzt am Vormittag sehen. Gott sei Dank gibt es keine Verletzten. Aber es war eine sehr große Lawine, in einem Bereich, der bis jetzt nicht in einem Gefahrenplan vorgekommen ist", sagt Bürgermeister Ernst Fischbach.

Bilder aus dem Hotel

Betroffen war das Gasthaus Kirchenwirt sowie Nebengebäude. Bis Montagnachmittag waren noch etwa 60 Gäste und Personal in dem Betrieb, aber die Lawinenkommission hatte die Gefährlichkeit rechtzeitig erkannt und evakuiert. Die Lawine ging gegen 1.00 Uhr ab. Zu diesem Zeitpunkt dürfte laut Landespolizeidirektion die Evakuierung noch nicht abgeschlossen gewesen sein. Danach lief ein Rettungseinsatz an, um sicher zu gehen, dass sich tatsächlich niemand mehr in dem Bereich aufhielt. Häuser, die oberhalb des Hotels stehen, sollten von den Kräften ebenfalls noch durchsucht werden.

Lawine drang bis zum Hotel vor

Die Lawine dürfte in der Nähe vom Klanglift bzw. im Bereich der Trasse der Aufstiegshilfe von Norden nach Süden abgegangen sein. Der Lawinenkegel drang bis zum Hotel und Restaurant Kirchenwirt vor. Unweit des Gastronomiebetriebs steht das Gemeindeamt von Ramsau, der Stützpunkt der Bergrettung sowie das evangelische Pfarramt.

Der Schlepplift war bereits gesperrt, bringt Gäste aber normalerweise von 1.140 auf 1.280 Meter Seehöhe. Auch die entsprechende Piste - Kategorie blau für leichtes Gelände - war laut Website nicht geöffnet. Nähere Informationen lagen seitens der Polizei vorerst wegen des laufenden Einsatzes sowie der Dunkelheit nicht vor. Aus dem Büro Schickhofer hieß es noch in der Nacht, dass wahrscheinlich keine weiteren Gebäude vom Lawinenkegel getroffen wurden. Das Ortszentrum der Gemeinde ist derzeit noch völlig gesperrt. Neben dem Hotel befindet sich unter anderem das Gemeindeamt, es wurde aber nicht getroffen.

Das Gebiet war bereits als lawinengefährdet bekannt und wird in den Karten mit roter und gelber Gefahrenzone dargestellt. Letztere reicht bis zum nun betroffenen Hotel. 

"Übertrifft unsere Erfahrungswerte"

"Das heutige Lawinenereignis überstieg unsere Erfahrungswerte", sagte Lawinenkommissionsmitglied Heribert Eisl Dienstagvormittag bei der Pressekonferenz der BH Liezen in Ramsau am Dachstein. Bürgermeister Ernst Fischbacher bestätigte, dass es keine Verletzten und Vermissten gebe. 

"Es war ein Glück und wir sind froh, dass die Lawinen nicht vier Stunden früher abgegangen ist, als alle Gäste beim Abendessen gesessen sind", sagte Eisl. Der Speisesaal beim Kirchenwirt war bis ein Meter unter die Decke von Schnee bedeckt. Man habe in den vergangen Tagen Liftsperren und Sperren von Wanderwegen verfügt, auch Objekte wurden evakuiert. Dass die Lawine so einen Schaden angerichtet habe, sei unerwartet gewesen. Man habe alle Berichte der Meteorologen und der Lawinenwarndienste einbezogen, in der Ramsau habe es auch weniger geschneit als im Ausseerland. Bürgermeister Fischbacher bekräftigte, dass man aufgrund von Erfahrungen und Prognosen keinen Anlass gesehen habe, den Kirchenwirt zu evakuieren.

In dem Bereich Eiskar sind in den vergangen Jahrzehnten schon mehrmals große Lawinen abgegangen, aber keine so groß wie diese. Bezirkshauptmann Josef Dick sagte, es sei nun ein Platzverbot in dem Bereich Kirchenwirt eingerichtet worden. Die Bundesheer-Pioniere würden die Voraussetzungen schaffen, dass man gesichert ins Hotel könne. Wenn es sicher sei, werde man das Gepäck der Gäste für deren Abreise bergen, wenn diese eine solche wünschten.

Lawinenschutzmaßnahmen

ÖVP-Landesrat Hans Seitinger, in der Landesregierung für Lawinenschutzbauten zuständig, sagte: "Ich teile die Freude, dass nichts passiert ist. Es ist leider ein Phänomen, dass sich Naturkatastrophen in unseren Tagen zunehmend verdichten und wir jeden Tag hintennach laufen, um vorbereitet zu sein oder zu schützen. Die Brutalität der Natur wird immer ärger, die Art der Vorberechnung stimmt offenbar nicht mehr." Als Gegenmaßnahmen sprach Seitinger von gezielten Sprengungen, um Schneemassen nicht so anwachsen zu lassen und technischen Maßnahmen. Kürzlich wurde mit der Bundesregierung ausverhandelt, in einer Sonderdotierung rund 20 Millionen Euro für Lawinenschutzmaßnahmen locker zu machen.

Seitinger sagte weiters, dass die Landesregierung bei allen Maßnahmen an einem Strang ziehe. Katastrophenschutzreferent und LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) sei ebenfalls auf dem Weg in die Ramsau und werde am Nachmittag eintreffen, wie auch von dessen Büro mitgeteilt wurde. Für den Dienstag könnten keine Flüge von Polizei-und Heereshelikoptern zu Erkundungen und Sprengungen durchgeführt werden, hieß es aus dem Büro Schickhofer. Der Wind sei zu stark, am Wechsel wurden Windspitzen von bis zu 150 km/h gemessen.