Chronik | Österreich
13.07.2017

Erste Spur nach fünf Raubüberfällen

Polizei veröffentlicht Fahndungsfotos von Verdächtigen, die mit den Taten in Verbindung stehen könnten.

Wortlos schlug der Täter seine Opfer nieder und riss ihnen die Goldketten vom Hals. Das Bargeld in ihren Handtaschen ließ er bis auf einmal zurück: Bereits fünf Grazer Pensionistinnen wurden seit 30. Juni überfallen und beraubt, alle fünf wurden schwer verletzt. Drei von ihnen liegen noch immer im Spital; das erste Opfer ist noch immer nicht außer Lebensgefahr.

Doch es scheint endlich eine handfeste Spur zu geben. Am Donnerstag veröffentlichte die Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Graz Männer-Fotos aus Straßenbahn-Überwachungskameras: "Die beiden Personen stehen im dringenden Verdacht, mit den Raubüberfällen in Verbindung zu stehen", erläuterte Polizeisprecher Fritz Grundnig. Details dazu wurden aus taktischen Gründen vorerst nicht verraten, angeblich sollen sie in der Nähe eines der Opfer gesehen worden sein. Die Ermittler hoffen jetzt, dass jemand die Männer erkennt und sich meldet.

Freigelassen

Bereits nach dem jüngsten Übergriff Mittwochnachmittag auf eine 69-Jährige glaubten die Beamten, den Täter gefasst zu haben: Doch der Mann, den sie beim Schönaugürtel festnahmen, hatte nichts mit dem Überfall zu tun. Er kam von der Arbeit. Auch drei weitere Verdächtige wurden befragt, aber auch sie waren schuldlos.

Außerdem setzt die Landespolizeidirektion ungewöhnliche Maßnahmen, um den mittlerweile "Goldkettenräuber" genannten Mann zu finden: Sie bittet die Mitarbeiter der städtischen Ordnungswache, die Augen offen zu halten. Die Polizei hat selbst bereits zu Wochenbeginn die Fahndung verstärkt: Rund 50 Beamte samt Diensthundestreifen sind im Einsatz.

Weil sich die Überfälle gleichen, vermutet die Polizei einen oder zwei Serientäter. Ausgewählt wurden nur Seniorinnen, ihnen wurde mit der Faust ins Gesicht geschlagen – vor oder in ihren Mehrparteienhäusern. Das geht so schnell, dass die Opfer im Alter zwischen 69 und 82 Jahren den Täter nicht gesehen haben. Weil er nichts sagt, ist nicht einmal bekannt, welche Sprache er spricht.

Verbindungen zwischen den Opfern gibt es keine, sie wohnen zudem in vier verschiedenen Bezirken. Die einzigen Hinweise auf den mutmaßlichen Räuber waren bisher Beschreibungen zweier Passanten, die Männer von Tatorten weglaufen sahen: 20 bis 35 Jahre alt, schlank, kurzes Haar.

Die Überfallserie irritiert aufgrund ihrer Brutalität. "Ich fürchte mich schon", gibt Heidemarie Sch. offen zu, auch wenn sie meint, "bei mir ist eh nichts zu holen". Aber sie gehe zur Zeit "lieber in Begleitung" aus. Linde R. betont, aufgrund der Überfälle, keinen auffälligen Schmuck mehr zu tragen: "Das zahlt sich nicht aus. Aber Angst habe ich keine."

Auch die Kriminalisten raten, Schmuck nicht offen zu tragen. Apropos Schmuck: Die Polizei klappert auch alle Händler ab, die Goldschmuck ankaufen. So soll dem Täter die Möglichkeit genommen werden, die Beute loszuwerden.