Eisheilige 2026: Frost und Kälte vor dem Sommer?

Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Aber sind sie wirklich so eisig, wie das Brauchtum sagt?
Zwei Wäscheklammern hängen an einer nassen Wäscheleine mit vielen Wassertropfen vor grünem Hintergrund.

Die sogenannten Eisheiligen stammen aus traditionellen Bauernregeln und werden mit Kälteperioden sowie Spätfrost in Verbindung gebracht. Insbesondere unter Hobbygärtnern gelten sie als gefürchtet, da das Auspflanzen bestimmter Gemüsesorten in diesem Zeitraum das Risiko birgt, dass diese nicht gedeihen.

Insgesamt gibt es fünf Eisheilige im Mai: Mammertus (am 11. Mai), Pankratius (am 12. Mai), Servatius (am 13. Mai), Bonifatius (am 14. Mai) und die "kalte Sophie" (am 15. Mai), die am Freitag den Abschluss bildet. An diesen Nächten soll besonders gefährlicher Bodenfrost herrschen. Erst nach dem 15. Mai setzen in der Regel stabile, sommerliche Bedingungen im Garten ein.

Wetter zu den Eisheiligen 2026

Die Prognosen für den Monat Mai sind derzeit noch unsicher. Laut dem amerikanischen Wettermodell der NOAA ist jedoch mit einem milden, aber niederschlagsreichen Mai zu rechnen. In welchem Ausmaß es während der Eisheiligen zu Kälteeinbrüchen kommt und ob tatsächlich Bodenfrost auftritt, ist bislang unklar.

Zwischen Mythos und Wahrheit

Die Eisheiligen sind entgegen ihres Namens gar nicht so eisig: Wie eine Auswertung der Werte der vergangenen Jahrzehnte von Geosphere Austria zeigt, gibt es in den Tagen von 12. bis 15. Mai typischerweise keine Kaltlufteinbrüche

Sind Frostnächte tatsächlich typisch für die Zeit der Eisheiligen? "Die Daten der letzten rund 80 Jahre für verschiedene Regionen Österreichs zeigen: Frost kommt zum Termin der Eisheiligen, von 12. bis 15. Mai, nicht überdurchschnittlich oft vor", erklärt Alexander Orlik, Klimatologe an der Geosphere Austria.

Weniger Frost durch Klimawandel

Trotzdem macht es aber Sinn, empfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen ins Freie zu stellen oder zu pflanzen. Denn die Gefahr von Bodenfrost ist im ersten Mai-Drittel am häufigsten, im zweiten Mai-Drittel - zur Zeit der Eisheiligen - schon deutlich seltener und im letzten Mai-Drittel kommt Bodenfrost in den bewohnten Regionen Österreichs nur noch selten bis gar nicht mehr vor.

"Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnten gesunken", sagt Orlik.

Viele Pflanzen haben oft schon erste Austriebe und beginnen zu blühen. Vor allem Obst- und Gemüsepflanzen können durch Frost erheblich geschädigt werden. Daher sollten frostempfindliche Pflanzen sicherheitshalber erst Ende Mai ausgesät oder gepflanzt werden.

Bodenfrost nur alle fünf Jahre

Bodenfrost im Mai ist in Österreich eher selten. In der jüngeren Vergangenheit (Klimaperiode 1991 bis 2020) gab es im ersten Mai-Drittel einen Tag mit Bodenfrost in Wien und Salzburg durchschnittlich alle fünf Jahre, in Feldkirch und Klagenfurt alle zwei bis drei Jahre, in Innsbruck alle ein bis zwei Jahre. 

Im letzten Mai-Drittel hingegen kam ein Tag mit Bodenfrost in Klagenfurt durchschnittlich alle fünf Jahre vor und in Innsbruck alle drei bis vier Jahre. In Wien, Salzburg und Feldkirch liegt die Wahrscheinlichkeit für Bodenfrost im letzten Mai-Drittel bei nahezu Null.

Höhere Gegenden mehr betroffen

In höhere gelegenen Tälern ist Bodenfrost im Mai etwas häufiger. Zum Beispiel gab es in Lienz in Tirol (661 Meter Seehöhe) und Irdning in der Steiermark (697 Meter) in der jüngeren Vergangenheit (Klimaperiode 1991 bis 2020) im ersten Mai-Drittel durchschnittlich ein bis zwei Tage mit Bodenfrost pro Jahr. 

Im dritten Mai-Drittel gab es hier nur alle zwei bis drei Jahre einen Tag mit Bodenfrost.

Auch die Bauernregeln zeigen die Bedeutung der Eisheiligen, die den Winter noch einmal zurückbringen sollen:

Wettersprüche zu den Eisheiligen vom 11. – 15. Mai:

  • Mamertus, Pankratius und hinterher Servatius, sind gestrenge Herr‘n, die ärgern die Bauern und Winzer gern.
  • Wenn’s an Pankratius gefriert, so wird im Garten viel ruiniert.
  • Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man sehn.
  • Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Die kalte Sophie bringt zum Schluss, gern noch einen Regenguss.

Meteorologische Bedeutung der Eisheiligen

Die Ursache für die im Mai auftretenden Kälterückfälle, wie sie im Zusammenhang mit den Eisheiligen beobachtet werden, liegt in der unterschiedlichen Erwärmung von Land- und Wasseroberflächen. 

Während sich Landflächen durch Sonneneinstrahlung vergleichsweise rasch erwärmen, bleiben Ozeane und Meere über einen längeren Zeitraum hinweg kühl. Diese Temperaturunterschiede führen in Kombination mit großräumigen Luftströmungen und Drucksystemen dazu, dass kalte Polarluft in südlichere Regionen vordringen kann. Dieses Zusammenspiel von Kalt- und Warmluft ist charakteristisch für den Monat Mai.

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