© Getty Images/iStockphoto/knoppper/iStockphoto

Chronik Österreich
08/02/2019

Eine Frau erzählt: "Ich habe mich in einen Betrüger verliebt"

Carola Wöhrer wurde die große Liebe versprochen. Am Ende war sie alleine und um 8.500 Euro ärmer.

von Birgit Seiser

Carola Wöhrer ist sauer. Die Wienerin sitzt an ihrem Schreibtisch, vor ihr ein dicker Ordner voller Dokumente. Es sind die Überbleibsel einer Liebe, die keine war.

Die Angestellte wurde Opfer eines Liebesbetrügers. Ernst F. (Name von der Redaktion geändert) brachte die Witwe um 8.500 Euro. Anders als die meisten Opfer von Liebesbetrug will Carola Wöhrer aber nicht schweigen, sondern sich wehren.

Polizei lehnte Anzeige ab

Der erste Weg führte die Wienerin zur Polizei. „Ich wollte eine Anzeige machen. Leider wurde ich bei der Polizeiinspektion aber von einem jungen Beamten abgewimmelt. Er hat gemeint, dass es sich nicht um Betrug handelt“, sagt Wöhrer im KURIER-Gespräch. Auf Anfrage bei der Wiener Polizei heißt es, man müsse den Fall überprüfen. Prinzipiell handle es sich in so einem Fall aber zweifelsohne um Betrug.

Anders als in einem Großteil der Fälle von Love Scamming – so wird Liebesbetrug international genannt – lernte Carola Wöhrer Ernst F. nicht im Internet kennen. Die erste Begegnung gab es im Frühling vergangenen Jahres. Ein Freund stellte Wöhrer dem Niederösterreicher vor. Schnell kamen sich die beiden vor allem über WhatsApp-Nachrichten näher und schon folgte auch die erste Forderung nach Geld.

Selbstmord-Drohungen

Es waren fadenscheinige Gründe, die Ernst F. Wöhrer auftischte. Zum Beispiel: Sein Auto sei kaputt. Per WhatsApp kamen verzweifelt klingende Nachrichten. Das geborgte Geld würde Wöhrer auf jeden Fall bald zurückbekommen. Also zahlte Wöhrer. Doch die versprochene Rückzahlung blieb aus. Dafür drehte sich die Spirale mit der Bitte um Geld und den Zahlungen immer schneller und schneller. Wenn die Wienerin nicht überweisen wollte, drohte F. mit Selbstmord.

„Er hat immer vorgegeben, dass er mich liebt und hat dann aber bei anderen abgestritten, dass wir zusammen sind“, sagt Wöhrer. Gesehen haben die beiden einander laut Wöhrer einmal in der Woche. Die „Beziehung“ endete nach einem gemeinsamen Aufenthalt in der Therme Bad Tatzmannsdorf im Burgenland. Für den Kurzurlaub des Paares bezahlte natürlich Wöhrer alleine.

Kein klassischer Fall Ein klassischer Love Scam liegt in diesem Fall nicht vor, wie Vincenz Kriegs-Au vom Bundeskriminalamt erklärt: „Es ist eher selten, dass es ein wahres Gegenüber gibt. Meistens läuft der Betrug übers Internet. Die Fotos von den angeblichen Männern oder Frauen sind von verschiedenen Websites gestohlen. Der Arzt oder Soldat aus den USA sitzt in Wirklichkeit irgendwo in Indien oder Afrika oder sonst wo.“

In solchen Fällen sei es fast unmöglich, den Betrügern auf die Spur zu kommen. Im Fall von Wöhrer müsste es aber ein Leichtes sein, Anzeige zu erstatten. „Wenn der Polizist keine Anzeige aufnimmt, dann ist das Amtsmissbrauch“, sagt Kriegs-Au.

Identität schützen: Sämtliche Daten, die man ins Internet stellt, erleichtern es den Tätern, sich das Vertrauen zu erschleichen. Daher sollte man gut überlegen, was man online von sich preisgibt.

Keine Bilder schicken: Videos oder Fotos, die der Täter  vom verliebten Opfer in einer peinlichen Situation hat, werden oft dazu verwendet, das Opfer zu erpressen: Entweder er oder sie zahlt, oder die Aufnahmen werden öffentlich gemacht.

Telefonieren: Bevor man sich mit  jemandem trifft, sollte man  auf ein Telefonat bestehen, um herauszufinden, ob die Person, die ist, die sie vorgibt zu sein.

Öffentlichkeit: Kommt es schließlich doch zu einem Treffen, sollte das an einem öffentlichen Ort stattfinden. Die Bekanntschaft in die eigene Wohnung einzuladen, kann schnell gefährlich werden.

Anzeigen: Die Polizei rät im Ernstfall dazu, Anzeige zu erstatten. Die Täter wissen, dass Liebe blind macht. Das nutzen sie aus.  Weitere Infos gibt es bei der Kriminalprävention unter:  059 133

"Irrsinnig hohe Dunkelziffer"

Laut Kriegs-Au, ist die Dunkelziffer von Love Scamming-Opfern „irrsinnig hoch“. Genaue Zahlen gibt es keine, die Polizei wertet in ihren Statistiken nicht aus, um welche Art von Betrug es sich nach einer Anzeige handelt.

Abgesehen davon würde sich ein Großteil der Betrogenen schämen, weil sie auf einen Liebesbetrug hereingefallen sind. Carola Wöhrer weiß das. Sie ist Mitglied in einer der vielen Selbsthilfegruppen, die es im Internet gibt – und sie will weiter gegen Liebesbetrüger kämpfen.