Chronik | Österreich
17.06.2018

Ein Eigenheim als Wohnhaus auf Zeit

Mobile Häuser auf Pachtgründen könnten im teuren Westen Kostendruck aus dem Wohnen nehmen

18 Quadratmeter Wohnraum: Mehr braucht Johanna Nimmervoll nicht zum Leben, wie sie sagt. Nach ihren Wünschen hat sich die gebürtige Oberösterreicherin ein Tinyhouse (kleines Haus) in Holzriegelbauweise in dieser Größe bauen lassen. Derzeit steht das Eigenheim in Unken im Pinzgau auf einem Campingplatz. Es kann aber problemlos auf einen Anhänger gesetzt und an einen anderen Standort transportiert werden.

„Ich bin eine Nomadin und immer wieder weitergezogen“, sagt die 32-Jährige, die in Innsbruck studiert hat. Durch Jobs im Tourismus hat die Betriebswirtin immer wieder ihren Wohn- und Arbeitsplatz gewechselt. Die Bewirtschaftung einer Alm hat sie nach Unken geführt. Hier könnte Nimmervoll nun, zumindest eine gewisse Zeit, sesshaft werden.

Pioniergeist

Denn die 45 Autominuten von Salzburg entfernte Gemeinde zeigt sich offen, ein Baugrundstück für Tinyhouses zur verpachten. Nimmervoll ist bereits auf der Suche nach Gleichgesinnten. Nägel mit Köpfen wurden noch keine gemacht. Aber Bürgermeister Hubert Lohfeyer ( ÖVP) zeigt sich offen für die Idee: „Vor dem Hintergrund der sehr hohen Wohnkosten in Westösterreich ist das möglicherweise eine neue interessante Wohnform.“

Es ist vor allem der Faktor Baugrund, der bei einem Pachtmodell als Preistreiber wegfällt. Und Tinyhouses, wie jenes von Nimmervoll, aber auch – optisch durchaus ansprechende – Wohnmodule, kommen ohne Keller aus. Module, wie sie in Österreich etwa von McCube angeboten werden, bieten zudem die Möglichkeit, ein Haus je nach Platzbedarf zu erweitern oder zu schrumpfen.

Im Umzugsfall können diese Eigenheime huckepack genommen werden. Es ist diese Flexibilität, die Nimmervoll so schätzt. „Ich habe mir auch schon überlegt, ein Grundstück zu kaufen. Aber ich möchte nicht einen Rucksack an finanziellen Verpflichtungen mit mir herumtragen“, sagt die Pionierin.

Wie sehr solche Projekte tatsächlich das Wohnen vergünstigen könnten, steht auf einem anderen Blatt. Denn dazu müsste auch die Politik die Idee forcieren. „Containerbauten wollen wir sicher nicht“, stellt etwa Vorarlbergs ÖVP-Raumordnungslandesrat Karlheinz Rüdisser klar.

Politische Bedenken

Aber er zeigt sich für neue Ideen offen. „Wir schauen schon, was es in der Welt gibt“, erklärt er und verweist auf ein Sonderprogramm in Vorarlberg. „Wir haben ein Modell, bei dem Wohnbauten aus seriengefertigten Modulen in Vorarlberger Holzbauqualität errichtet werden. Jede Wohnung besteht aus zwei Modulen und kann beliebig erweitert werden“, sagt Rüdisser.

Auch bei diesem Modell wird aus Kostengründen auf Keller, Tiefgarage und Lift verzichtet. Die Wohneinheiten werden von gemeinnützigen Bauträgern errichtet und günstig vermietet. „Wir überlegen aber, auch ein Projekt in Wohneigentum zu machen“, sagt Rüdisser und sagt zur Idee von Nimmervoll: „Nur zu pachten ist sicher ein Zukunftsmodell.“

Besitzer von Baugründen können so Eigentümer bleiben und trotzdem Wohnraum schaffen. Die schleppende Mobilisierung von Bauland ist vor allem in Tirol ein Problem. Der dortige Raumordnungslandesrat Johannes Tratter (ÖVP) sieht Häuser auf Pachtgrund aber kritisch: „Bei uns ist Grund knapp. Wir müssen sehr sparsam damit umgehen. Eine Verhüttelung hilft uns da nicht.“