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Chronik Österreich
04/06/2019

Ein Burgenländer erklimmt den Gipfel der Alpinpolizei

Viktor Horvath übernimmt die Leitung der Tiroler Alpinpolizei – der größten im Land. Die Karriere startete bei WEGA und Cobra

von Christian Willim

Norbert Zobl wirkt wie der Polizist gewordene Bergfex. Aus dem Tiroler Oberland stammend war er 24 Jahre lang Leiter und Gesicht der Alpinpolizei im Bundesland. Bei der alljährlichen Bilanz der Unfälle in Österreichs Bergen am Dienstag war der 62-Jährige nur noch als Pensionär und Zaungast dabei.

Über die Wintersaison bilanzierte da bereits Viktor Horvath. Er hat von Zobl mit Anfang April die Leitung der Tiroler Alpinpolizei übernommen. Mit über 150 Beamten ist sie die größte in Österreich. Der Neue kommt jedoch nicht aus den Bergen, sondern aus dem Seewinkel am Neusiedler See.

Der Weg des Burgenländers vom Flachland an die Spitze der Alpinpolizei begann jedoch schon früh. „Ich habe mit acht Jahren Skifahren gelernt. Also für einen Burgenländer schon sehr früh“, erzählt er lachend. Mit der Familie ging es von da ab jeden Winter für zwei bis drei Wochen auf Pistenurlaub. „Ich habe mich in den Bergen schon immer sehr wohl gefühlt und schon als Kind gesagt, dass ich da einmal hinziehen möchte.“

Polizeitaucher in Wien

Bevor Horvath diesen Traum 2004 tatsächlich wahr machte, ging es jedoch noch in die Tiefe. Drei Jahre nach seiner Aufnahme bei der Polizei in Wien 1993, kam der Beamte zur Einsatzeinheit WEGA und absolvierte dort eine Ausbildung zum Polizeitaucher. Und war als solcher in einen der spektakulärsten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte involviert.

1998 wurde die damals zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Schulweg in Wien entführt. „Wir haben damals in und rings um Wien jeden Tümpel abgetaucht“, erzählt Horvath von der damaligen Suchaktion. Seine Feuertaufe als WEGA-Beamter erlebte der Burgenländer allerdings bereits im ersten Dienstjahr.

Unter Beschuss

„Amokläufer schoß wild um sich und wollte Geiseln nehmen“, berichtete der KURIER 1997 von dramatischen Szenen in einem Gemeindebau in Simmering. Rund 30-mal feuertet ein 39-Jähriger damals mit Pumpgun und Flinte.

Die Projektile schlugen im Stiegenhaus rund um die angerückte WEGA ein. „Wir waren 3,5 bis vier Stunden unter Beschuss, konnten den Mann dann aber zur Aufgabe überreden und überwältigen“, erinnert sich Horvath.

Es ist dann schließlich ein polizeiliches Tauchseminar am Achensee, das im Jahr 2000 die Weichen Richtung Tirol stellt. Dabei lernt der Burgenländer seine heutige Frau kennen, mit der er zwei Kinder hat.

Kein Vorbehalte gegenüber Flachländer

2004 zieht er nach Tirol und kommt in Innsbruck zur Cobra. Der Wechsel zur Alpinpolizei erfolgt vor etwas weniger als fünf Jahren. Vorbehalte gegenüber einem Flachländer – sei es von Seiten der Kollegen oder etwa  einheimischen Hüttenwirten und Bergrettern – hat es laut Horvath nicht gegeben.

Als leitender Beamter im Bezirk Innsbruck Land und ab 2014 als stellvertretender Bezirkskommandant von Kufstein kam Horvath bereits zuvor herum.

Als Chef der Tiroler Alpinpolizei wird das noch mehr der Fall sein. Das Unfallaufkommen im Bundesland ist enorm. Jeder zweite Unfall in Österreichs Bergen passiert in Tirol. 2017 waren das rund 3500 von 8000.

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