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Chronik Österreich
03/18/2020

Ein Bundesland unter Quarantäne: "Tirol isoliert sich selbst"

Es ist nur noch eine Fahrt in den nächsten Ort erlaubt - unter ganz spezifischen Umständen.

Einscheidend, aber wohl korrekt: Tirols Landeshauptmann Günther Platter teilte am Mittwochabend mit, dass eine Quarantäneverordnung für alle 279 Tiroler Gemeinden erlassen wird. Sie trat um Mitternacht in Kraft. Die Maßnahme gilt bis zum 5. April. Kontrolliert werden soll das Ganze stichprobenartig von der Polizei.

Die Gemeinde darf nur verlassen werden, wenn es um die Deckung der Grundversorgung geht, um die Daseinsvorsorge oder um zur Arbeit zu kommen. "Als Tiroler Landeshauptmann ist es meine Aufgabe, mit aller Kraft und Konsequenz zu verhindern, dass wir Verhältnisse wie in Teilen Italiens bekommen", meinte Platter in einer Mitteilung an Medienvertreter.

Gibt es einen Arzt, eine Apotheke, einen Lebensmittelhandel oder eine Bank in der Gemeinde, darf sie für diese Zwecke nicht verlassen werden. Wenn nicht, ist nur eine Fahrt in den nächsten Ort erlaubt. "Was zum Beispiel nicht geht ist, in einen anderen Ort zu fahren, wenn im eigenen Dorf ein Lebensmittelgeschäft zur Verfügung steht", erklärte Platter.

Öffentlicher Verkehr bleibt bestehen

Tirol grenzt sich aber nicht nur innerhalb des Landes ab, sondern auch nach außen. Das heißt, dass nur noch jene nach Tirol einreisen können, die dort zu Hause sind oder in der kritischen Infrastruktur oder Versorgung arbeiten. Der Warenverkehr bleibt laut der Erklärung "unter bestimmten Voraussetzungen gestattet" - praktisch ändert sich für den Warenverkehr jedoch nichts.

Der öffentliche Verkehr soll trotzdem weiterhin bestehen bleiben. In den öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Fahrgäste jedoch einen Mindestabstand von einem Meter einhalten. Sollte dies nicht mehr möglich sein, dürfe nicht mehr zugestiegen werden. Das Spazierengehen bleibt auch weiterhin erlaubt, jedoch nicht mehr über die eigene Gemeindegrenze hinaus.

"Das Menschenmögliche getan"

Man habe in den "letzten Wochen auf allen Ebenen intensive Vorbereitungen getroffen, um bestmöglich auf diese Krise vorbereitet zu sein. Wir waren österreichweit die Ersten, die das landesweite Aus für den Tourismus vollzogen haben", hieß es weiter. Kritiker sehen das anders. Der Skiort Ischgl gilt wegen mehrere, offensichtlicher Nachlässigkeiten als eine der Coronavirus-Drehscheiben Europas.

Tirol war deshalb in den vergangen Tagen durch teils heftige Kritik aus dem In- und Ausland stark unter Druck geraten. Mehrere hundert Personen in Skandinavien sollen sich bei Apres-Ski-Partys in Tirol, vor allem in Ischgl und St. Anton, infiziert haben. Die Sperre der Skigebiete sei auf wirtschaftlichen Druck hin viel zu spät erfolgt, wurde dem Land vorgeworfen. Die Vorgangsweise war bis zuletzt verteidigt worden, bis Platter am Dienstag schließlich meinte, dass die Abläufe nach der Krise "auf den Prüfstand" gestellt werden müssten.

Platter versichert, man habe "in der jeweiligen Situation das Menschenmögliche getan." Weiter macht er auch klar: "Das heißt: Tirol isoliert sich selbst."

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