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Chronik | Österreich
06/12/2019

Drama vor Prozess: Ehemaliger Schwimmpräsident Schauer gestorben

Paul Schauer sollte ab heute im Wiener Landesgericht wegen Verdacht des Betrugs mit Fördermitteln angeklagt werden.

Der Prozess rund um den Verdacht des Betrugs mit Fördermitteln gegen sieben Angeklagte begann am Mittwoch Vormittag mit nur fünf Personen auf der Anklagebank. Laut der zuständigen Richterin Patrizia Kobinger-Böhm war Ex-OSV-Präsident Paul Schauer am Pfingstmontag verstorben.

Ein Freund von Schauer berichtete in den Morgenstunden dem KURIER, dass er von dem 72-jährigen Ex-OSV-Präsidenten einen Brief erhalten hat. In diesem kündigt er seinen Suizid an und gibt an, dass er mit der Schmach nicht länger leben wolle. Ihm wird vorgeworfen, dass er Fördergelder in der Höhe von über 300.000 Euro unrechtmäßig verwendet haben soll. Offenbar soll dieses Schreiben an mehrere Personen aus Schauers Umfeld gegangen sein.

Briefe abgeschickt

Gegen 9.30 Uhr bekam auch die Richterin vom Gerichtsdiener einen Brief von Schauer überreicht. Sie wolle diesen aber erst später in Ruhe lesen, erklärte sie im Prozess. Später erklärte sie, der Brief sei erst am Dienstag verschickt worden und eine Replik auf die Anklage. Wer das Schreiben tatsächlich abgesendet hat, sei unklar. Es sei jedenfalls kein Abschiedsbrief, betonte sie.

Insider gingen allerdings im Vorfeld des Prozess davon aus, dass Schauer selbst bei einem Schuldspruch vermutlich nur eine bedingte Freiheitsstrafe gedroht hätte. Erst am Samstag wurde durch einen KURIER-Bericht bekannt, dass ein Mitangeklagter ein volles Geständnis ablegt und Schauer schwer belastet.

Der Schwimmverband steht im Verdacht, während der Glanzzeiten von Markus Rogan, Mirna Jukic und Co Fördergelder mittels Scheinrechnungen abgerechnet zu haben. Dies wollte der Ex-Geschäftsführer im Prozess "umfassend gestehen".

Bis 2012 Vizepräsident des ÖOC

Schauer war von 2004 bis 2012 Präsident des OSV und bis 2012 einige Jahre lang auch Vizepräsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC). Der Wiener war Mitbegründer und bis 2012 Geschäftsführer der Mediaagenturgruppe Media Austria. Den Schwimmverband wollte er zu dem besten Sommersportverband von allen machen, vertraute Schauer Wegbegleitern an.

Das mit Spannung erwartete Verfahren gegen den SPÖ-Politiker und Gewerkschaftsboss Christian Meidlinger wurde indes ausgeschieden aus dem Verfahren. Erst soll es zu Verhandlungen wegen einer möglichen Diversion kommen. Deshalb saß auch er nicht auf der Anklagebank, sondern besuchte als Gewerkschafter das Einsiedlerbad. Während der Prozess um den Schwimmverband tobte, postete Meidlinger auf Facebook Fotos, die ihn lächelnd im Schwimmbad zeigen.

Wer Selbstmordgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

www.suizid-praevention.gv.at

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.