© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Analyse
09/13/2020

Die Verschwörungskrise: Zerrissene Fahnen und alternative "Fakten"

Viele Menschen glauben nicht, dass es das Coronavirus gibt. Doch auch die Skeptiker sind uneinig

von Birgit Seiser

Wie mächtig die Institution Nationalstaat ist, wurde beim Ausbruch der Corona-Pandemie sichtbar: Von einem Tag auf den anderen legte die Regierung den Alltag lahm. Das Tragen von Masken wurde Pflicht, ein Besuch bei der Familie oder das unnötige Betreten öffentlicher Räume unter Strafe gestellt – Entscheidungen, die das Verfassungsgericht später teilweise als rechtswidrig erkannte.

Nachdem die erste Schockstarre überwunden war, zeigte sich schnell, dass das Eingreifen der Regierung ein Nährboden für jene war, die ohnehin schon mit der „Obrigkeit“ haderten.

Am 24. April, etwas mehr als einen Monat nach dem Lockdown, versammelten sich 200 Menschen hinter der Wiener Oper, um gegen die „Bevormundung“ des Staates zu protestieren. Die Demo war polizeilich untersagt worden – was die Kritiker erst recht auf die Straße trieb.

Seltenes Miteinander

Bei dieser ersten Demo kamen sie alle: Rechtsradikale, Linke, Punks, Staatsverweigerer und vor allem viele verunsicherte Bürger. Menschen, die sich bei Demos sonst von Sperrgittern getrennt gegenüber stehen, hielten plötzlich Seite an Seite Plakate in die Luft. Die Maßnahmen seien nur ein Vorwand, um das Volk zu kontrollieren, das Coronavirus gebe es gar nicht.

Befeuert wurden – und werden – solche Verschwörungstheorien auch von Prominenten wie dem deutschen Sänger Xavier Naidoo und Medizinern, die die Gefährlichkeit des Virus infrage stellten. Auffällig war von Beginn an, dass viele Rechtsradikale die Demos als Plattform nutzten. Gerade politisch Unentschlossene konnten dort abgefangen werden und so sah man des Öfteren Mitglieder der rechtsradikalen Identitären Bewegung bei den Demos Flyer verteilen.

Alte Fronten

Linke und Alternative bemerkten das schnell, separierten sich und veranstalteten eigene Proteste wie Paraden für die Clubkultur. Das Anliegen war prinzipiell das gleiche: die Regierung solle die Maßnahmen lockern. Bei diesen Demos kam man aber ganz ohne Verschwörungsmythen aus.

Nun gab es eine neue Wende: Als Corona-Leugner bei einer Demo eine Regenbogenfahne zerrissen, gingen Linke und Alternative plötzlich gegen die Verschwörungstheoretiker auf die Straße. Somit ist alles beim Alten: Man steht sich wieder gegenüber, getrennt von Sperrgittern.

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