Chronik | Österreich
07.12.2018

Engpass befürchtet: Die Dürre bedroht den Christbaum

Bis zu 90 Prozent der Jungpflanzen sind vertrocknet. Käufer spüren das erst in fünf bis sieben Jahren.

Rund 2,8 Millionen Christbäume werden heuer wohl wieder Österreichs Wohnungen und Häuser zieren, so viele waren es jedenfalls im Vorjahr. Am häufigsten aufgeputzt wird die Nordmannstanne (67 Prozent) und sie ist es auch, die dem Klimawandel trotzen kann: Ihre meterlangen Wurzeln ermöglichen es, Wasser auch in trockenen Zeiten tief aus der Erde zu holen.

Dennoch könnte es in den kommenden Jahren zu einem Engpass an Weihnachtsbäumen kommen, befürchten die Experten der steirischen Landwirtschaftskammer. Das liege an den vergangenen beiden Jahren, die zu trocken und heiß waren. „In Zeiten des Klimawandels haben wir mit gewissen Problemen zu kämpfen“, bedauert Martina Lienhart, Obfrau der steirischen Christbaumbauern. „Viele Jungpflanzen sind vertrocknet und das nicht nur bei uns.“

Regionale Unterschiede

Europaweit seien bis zu 90 Prozent der Jungpflanzen kaputt gegangen, besonders betroffen dürften nördlichere Länder sein. Doch auch in Österreich kamen die Land- und Forstwirte nicht um großen Schaden herum: Franz Titschenbacher, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer, schätzt den Ausfall auf 80 bis 85 Prozent, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Während alte Bäume auch Dürreperioden leichter überstehen, gehen junge zugrunde: Ihre kurzen Wurzeln reichen nicht weit genug in die Erde, um sich mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Das traf zuallererst die Bauern, die zeitverzögert nachsetzen mussten und dadurch Kosten hatten. Die Konsumenten sehen vorerst aber noch nichts von dem drohenden Engpass. Das liegt am Zeitfaktor zwischen Anpflanzung und Schlägerung: Ein Nadelbaum wächst bis zu vierzehn Jahre, bevor er gefällt und als Christbaum verkauft wird. Doch in fünf bis sieben Jahren werde der Verlust durch Trockenheit auch auf den Christbaummärkten angekommen sein, befürchtet Martina Lienhart. „Die Menge an Bäumen wird dann sicher geringer werden.“

 

 

Um wie viel, lasse sich derzeit aber nicht abschätzen, einen „echten Mangel“ schließt Lienhart aber trotzdem aus. „Es werden deshalb keine Plastikbäume nötig sein, um sie zu ersetzen.“ Allerdings könnte sich die Qualität der Nadelhölzer ebenfalls verschlechtern.

350 Christbaumbauern gibt es allein in der Steiermark, sie schneiden pro Jahr rund 350.000 Bäume. Während seines Lebens produziert jeder einzelne Baum rund 8000 Liter Sauerstoff und entnimmt der Umwelt 7500 Liter Kohlendioxid. „Der Christbaum ist klimafit“, versichert Präsident Titschenbacher. Apropos klimafit: Noch werden die Bäume für den Transport durch den Kunden in Kunststoffnetze gehüllt. Brauchbare Alternativen gäbe es noch keine, da das Material strapazierfähig sein müsse, meint Martina Lienhart. „Aber die Forschung danach läuft.“