Das Los der Bäuerinnen: Innovativ und fleißig, doch oft unsichtbar

2026 ist das Internationale Jahr der Bäuerin. Sie soll vor den Vorhang geholt und ihre Leistung gewürdigt werden.
Stephanie Kreuzer mit Kalb.

Milchvieh samt Rinderzucht, Ackerbau, Öle, Pferde, Ziegen und dazu noch 340 Hühner: Langeweile kennt Stephanie Kreuzer nicht. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie im Vollerwerb einen Bauernhof in Seewalchen, OÖ. 

Auch ihre Großmutter war Bäuerin, dazwischen riss der Bezug zur Landwirtschaft ein wenig ab, aber über die Liebe ging es wieder zurück zu den Wurzeln. 

„Das Schöne ist, dass wir jeden Tag mit der Natur leben. Wenn ich in der Früh in den Stall gehe, höre ich schon die Vögel zwitschern. Das gibt mir Energie“, sagt die 38-Jährige.

Job, Freunde, Familie

Neben den schönen Seiten gibt es aber auch Herausforderungen: „Job, Kinder, Freunde und die Bürokratie unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach“, sagt die Oberösterreicherin. Viele Menschen würden gar nicht wissen, was in der Landwirtschaft alles zu tun sei, „die glauben, wir sitzen den ganzen Tag nur daheim“.

Unverzichtbare Leistungen

Sichtbarkeit ist also ein großes Thema, für die Landwirtschaft im Allgemeinen und für Bäuerinnen im Speziellen. Deswegen haben die Vereinten Nationen 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. Damit sollen die unverzichtbaren Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar gemacht werden.

„Unsere Bäuerinnen leisten jeden Tag Enormes. Oft geschieht das im Stillen, aber niemals ohne Wirkung“, sagt Rosemarie Ferstl, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer (LK) OÖ, und selbst Bäuerin. 

Johanna Haider und Rosemarie Ferstl.

Johanna Haider und Rosemarie Ferstl. 

Es gehe darum, diese Frauen vor den Vorhang zu holen. Auch, um Hilfe in Krisen möglich zu machen. Als Beispiel nennt die Vize-Präsidentin das Schicksal einer jungen Familie: Der Mann stirbt mit 39 Jahren, die Frau bleibt mit zwei kleinen Kindern und einem Bauernhof zurück. „Hier kann die Landwirtschaftskammer auf Zivildiener zurückgreifen, die Frauen in solchen Ausnahmesituationen helfen und am Hof mitarbeiten.“

Soziale Kompetenzen

Die Erfahrung zeige: Wo Frauen involviert sind und Verantwortung übernehmen, seien Wirtschaftlichkeit, soziale Kompetenz und der Mut zu Innovationen präsent. Johanna Haider, Vorsitzende des Bäuerinnenausschusses in der LK OÖ, betont, wie wichtig, Aus- und Weiterbildungen für Bäuerinnen sind. 

Und ein gutes Beratungsangebot: „Es dreht sich um Hofübergaben, Überlastungen, Sorgen, aber auch um Fragestellungen zum Erb- und Familienrecht sowie Finanzen.“ 

Kampf gegen Altersarmut

Hier gehe es um die finanzielle Eigenständigkeit und die Vermeidung von Altersarmut. Erst seit 1991 haben Landwirtinnen die Möglichkeit, eine eigene Pension zu beziehen, davor waren sie über ihren Mann mitversichert und hatten keinen eigenständigen Anspruch.

All diese Themen hat Irene Lengauer mit ihren Eltern und ihrem Mann bereits durchgeackert. Die 25-Jährige hat im August 2025 den Schweinezucht- und Mastbetrieb ihrer Eltern in Sankt Marien in OÖ übernommen. 

Irene Langeder.

Irene Langeder.

Sie ist auf dem Hof aufgewachsen und weiß, was sie erwartet. „Es ist eine große Verantwortung, in der wir schon in sehr jungen Jahren stehen. Das wird mir immer wieder bewusst“, sagt Lengauer. 

Noch arbeitet sie nach ihrem Studium hauptberuflich im Qualitätsmanagement eines Schlachtbetriebs. Das soll sich im Laufe der Zeit ändern. Ziel sei es, die Landwirtschaft irgendwann im Vollerwerb zu führen. 

„Dafür sind viele große, teils auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Aber ich sehe auch viele positive Seiten an meinem Leben als Bäuerin, etwa dass ich meine eigene Chefin bin.“

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