Chronik | Österreich
14.09.2018

Bange Stunden vor Gerichtstermin für Österreicher in Florida

Spannung vor Gerichtstermin für 18-Jährigen in USA, Anwalt will Haft abwenden.

Der heutige Freitag wird für den 18-jährigen Leo S. aus Mitterkirchen in Oberösterreich zum Schicksalstag. Am Gericht in Sarasota im US-Bundesstaat Florida wird heute die Klage gegen den Mühlviertler behandelt, der mit seiner 15-jährigen amerikanischen Internet-Freundin einvernehmlichen, aber ungesetzlichen Sex gehabt haben soll. In Florida droht dafür, wie berichtet, bis zu 15 Jahre Haft.

Seit Wochen bangen Leo und seine zu ihm nach Florida gereisten Eltern der heutigen Anhörung um neun Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) entgegen. „Das Warten ist eine große nervliche Belastung“, teilten die Eltern Lena und Rudolf S. dem KURIER zuletzt über das Befinden des HTL-Schülers mit.

Leo war am 30. Juli in der Stadt Venice festgenommen worden. Er hatte sich dort mit seiner Internet-Freundin getroffen und mit ihr, in der Meinung sie sei 16, auch Sex gehabt. Der Rechtsanwalt Carl Christian Thier hat Leo nach fünf Tagen gegen Kaution aus dem Gefängnis geholt. Der Anwalt hat angekündigt, dass der Beschuldigte heute nicht persönlich vor Gericht erscheinen müsse. Leo habe sich bereits schriftlich als „nicht schuldig“ bekannt. Thier, der vor dem heutigen Termin keine Erklärungen abgab, hatte auch in den Raum gestellt, dass der Gerichtstermin überhaupt abgesagt werden könnte. Die Anwaltskanzlei führte in den vergangenen Wochen intensive Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft. Ob es gelingt, eine Geldstrafe statt einer Haftstrafe auszuhandeln, wird sich heute entscheiden.

Sollte aber Anklage erhoben werden, dann wird am „Judge Lynn N. Silvertooth Juridical Center“ in Sarasota heute bereits ein nächster Verhandlungstermin festgelegt. Für die Familie S. ginge das Bangen weiter. Im Zuge der Beweisaufnahme wurde auch die Kommunikation, die Leo mit seiner Freundin im Internet geführt hat, geprüft. Anzeichen, dass es zu einer Ausweitung der Vorwürfe kommen könnte, gab es bis zuletzt nicht.

Schutzalter-Dschungel

Strafrechtlich relevante Vergehen gegen die Schutzalter-Bestimmungen sind im internationalen Vergleich ein Netz aus Fallstricken. Das zeigt schon der Blick in Österreichs Nachbarländer. Liegt das Schutzalter in Österreich bei 14 Jahren, so hat die Schweiz ein Limit von 16 Jahren fixiert. Sex unter dieser Schwelle ist aber erlaubt, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht größer als drei Jahre ist. In Deutschland gibt es überhaupt gleich drei Schutzalter-Stufen, die je nach Tatbestand schlagend werden.

„Grundsätzlich ist das Gesetz jenes Landes zu respektiert, in dem man sich gerade befindet“, erklärt die Rechtsanwältin Ulrike Koller. Hätte Leo bei einem Florida-Tripp mit einer 15-jährigen Österreicherin Sex gehabt, hätte das ebenfalls Schwierigkeiten bescheren können.

Besondere Vorsicht ist in arabischen Ländern geboten. Dort ist Sex unabhängig vom Alter nur in der Ehe erlaubt. Vor zwei Jahren wurden eine Südafrikanerin und ein Ukrainer, 27 und 29, in Abu Dhabi verhaftet. Das Paar war verlobt, die Frau schwanger. Das Außenministerium gibt auf seiner Homepage (www.bmeia.gv.at) umfangreiche Reiseinformationen, empfiehlt punkto Schutzalter aber vielfach, die regionalen Eigenheiten zu erkunden.