© Birgit Seiser

Chronik Österreich
12/16/2019

Anschlagspläne auf Stephansplatz: Terrorverdächtiger ist Dschihadist

Die Sprengsätze sollten in der U-Bahn-Station unter dem Wiener Stephansplatz gezündet werden.

von Markus Strohmayer, Michaela Reibenwein

„So lange es Punsch gibt, ist die Stimmung gut“, fasst Student Sean Anstiss die Atmosphäre am Stephansplatz zusammen. Dass hier am Christkindlmarkt ein Terroranschlag geplant gewesen sein soll und die Hauptverdächtigen vergangene Woche festgenommen wurden, scheint das geschäftige Treiben vor Wiens Wahrzeichen bei einem KURIER-Lokalaugenschein tatsächlich nicht zu stören. Laut Security Rudolf H., der hier tagtäglich den Eingang zum Stephansdom bewacht, liegt das auch daran, dass man sich mittlerweile daran gewöhnt habe, „dass immer etwas passieren kann, vor allem an so einem Hotspot“.

Dass Terror-Szenarien nicht an den Haaren herbeigezogen sind, zeigen die angeblichen Pläne von Sergo P., der im aktuellen Fall im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Der Tschetschene gerät nicht zum ersten Mal ins Visier des Verfassungsschutzes: Der mittlerweile 24-jährige wurde bereits zwei Mal verurteilt. Immer, weil er nach Syrien ausreisen wollte. Es gelang ihm übrigens nie.

„Er hasst Österreich“

Jetzt sitzt er in der Justizanstalt Hirtenberg. Und auch dort soll er Pläne geschmiedet haben. Denn: „Er hasst Österreich“, sagte ein anonymer Informant zur Polizei. „Er plant Anschläge am Wiener Stephansplatz, in Salzburg, Deutschland, Frankreich und Luxemburg.“

Die Aussage des Informanten geht aber noch weiter: So habe Sergo P. einen Ausbruchsversuch aus der Justizanstalt geplant. Die Anschläge sollten zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden. Jener in Wien sollte angeblich in der U-Bahn-Station direkt unter dem Stephansplatz durchgeführt werden.

Mehrere Personen wurden deswegen in der Vorwoche festgenommen, zwei von ihnen – ebenfalls Tschetschenen – befinden sich noch in Untersuchungshaft in Wiener Neustadt. Beide Männer (25 und 31 Jahre alt) leben in Wien und sind bisher unbescholten.

Beim Jüngeren fanden die Ermittler bei der Hausdurchsuchung einen gefälschten rumänischen Reisepass – lautend auf den Namen Sergo P.

Das passt zu dem 24-jährigen Wiederholungstäter. Er war beim zweiten Mal in Wien-Schwechat wegen eines gefälschten Passes aufgeflogen. Der Mann bezeichnet sich selbst als Salafist. Seine Ehefrau ist eine der wenigen Burkaträgerinnen in Österreich – deshalb darf sie auch ihren Mann nicht in Haft besuchen – sie verstößt gegen das Verhüllungsverbot.

Die beiden anderen Männer allerdings seien laut ihren Rechtsanwälten alles andere als radikal. „Das ist ein aufgelegter Schwachsinn“, sagt Anwalt Wolfgang Blaschitz. Die Beweislage sei äußerst dürftig.

Das bekräftigt auch Anwalt Florian Kreiner: „Weder ist mein Mandant radikalisiert, noch hat er irgendwas mit einer geplanten Tat zu tun.“ Doch die beiden Männer hatten telefonischen Kontakt zu dem Inhaftierten. Die Ermittler stießen im Zuge der Telefonüberwachung auf sie.

Polizeipräsenz

Am Wiener Stephansplatz – eines der angeblichen Ziele von Sergo P. – trage die hohe Polizeipräsenz zum Sicherheitsgefühl bei, sind sich die meisten Passanten einig. Die Polizei ist auf allen 20 Wiener Weihnachtsmärkten aktiv. Der aktuelle Fall hat an der Strategie der Exekutive nichts geändert, denn mit dem im Vorfeld ausgearbeiteten Sicherheitskonzept sei man auf alle Eventualitäten vorbereitet. „Ziel ist es dabei das öffentliche Leben so wenig wie möglich einzuschränken“, erklärt ein Polizeisprecher.

Dass das in der Praxis nicht immer funktioniert, merken einige der Geschäftsleute vor Ort. Jasmin Hutter arbeitet bei einem der Marktstände und findet, es werde zum Teil Panik geschürt. Andrea Cecconi, Inhaber eines Geschäfts für sakrale Kunst, würde es freuen, wenn die Polizei sich nicht direkt am Eingang des Christkindlmarktes mit den Autos positionieren würde. Das hat aber einsatztechnische Gründe. So werden neben Betonvorrichtungen auch Fahrzeuge als Rammschutz aufgestellt.

Der Großteil der Gäste und Verkäufer fühlt sich dementsprechend sicher. „Kein Vergleich zur Lage vor drei Jahren“, meint Cecconi. Nach einem Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin seien damals kaum mehr Leute gekommen. In diesem Jahr ist – trotz der jüngsten Festnahmen – alles voll.

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