Chronik | Österreich
12.11.2018

Ab 2020 mit Foto: Die eCard bekommt ein Gesicht

Die sechs wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen grünen Gesundheitskarte.

Nach jahrelangem Gezerre ist es soweit: Ab 1. 1. 2020 werden alle neu ausgegebenen eCards mit einem Foto ausgestattet sein. Herstellen wird die neuen Karten das Wiener Unternehmen Austria Card, das aus einer europaweiten Ausschreibung als Sieger hervorgegangen ist, wie der Hauptverband der SV-Träger (HVSV) am Montag bekannt gab. Der KURIER hat die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

  • Warum kommt überhaupt ein Foto auf die eCard?

Auf diese Maßnahme haben sich die Regierungsparteien 2017 geeinigt. Sie soll dafür sorgen, dass Betrugsfälle – etwa durch Diebstahl oder Ausborgen einer eCard durch Nichtversicherte - unterbunden werden. Alexander Biach, Chef des Hauptverbands erwartet sich von der neuen eCard mit Foto vor allem eine Präventionswirkung gegen Missbrauch:

Neue E-Card: Biach zu Missbrauchsverhinderung
  • Wie häufig kommt es zu Betrugsfällen?

Vor wenigen Monaten wurde ein Fall einer 84-jährigen nichtversicherten Frau aus Tirol bekannt, die sich mit der eCard ihrer Tochter eine Operation und Reha-Maßnahmen erschlichen haben soll. Der Schaden soll bei rund 50.000 Euro liegen. Grundsätzlich sind derartige Betrugsfälle aber äußerst selten, wie es von den Gebietskrankenkassen heißt. Beispiel WGKK, die der größte Träger ist: 2017 zählte man zehn Fälle bei denen eine eCard missbräuchlich von einem Dritten verwendet wurde. Sie verursachten einen Schaden von 1164,85 Euro, eingebracht wurden 354,10 Euro. 2018 waren es vier Fälle, welche einen Schaden von  588,49 Euro verursachten, eingebracht wurden 316,61 Euro.

  • Was kostet die Umstellung?

Der Austausch kostet laut Hauptverband 15 Millionen Euro. Diese Kosten wären aber auch angefallen, wenn man die Karten turnusmäßig wie bisher gegen solche ohne Bild ausgetauscht hätte. Die zusätzlichen Kosten für die Anbringung des Fotos werden mit zehn bis zwölf Millionen Euro beziffert.

  • Wie kommt das Foto auf die Karte?

Rund 80 Prozent der Versicherten bekommen die neue eCard mit Foto automatisch zugestellt. Das Bild wird entweder von der Passbehörde oder dem Führerscheinregister zur Verfügung gestellt. Alle anderen Personen (betroffen sind vor allem Ausländer, die in Österreich arbeiten und versichert sind) müssen auf einem anderen Weg ein Foto bereitstellen (und auch die Kosten dafür tragen). Details dazu müssen noch in einer Verordnung geregelt werden. Kinder unter 14 Jahren werden weiterhin eine eCard ohne Foto haben, weil sich ihr Aussehen noch sehr rasch verändert.  

  • Gibt es Sanktionen für jene Versicherte, die kein Foto zur Verfügung stellen?

Es sind keine direkten Sanktionen angedacht. Auf Patienten, die die Umstellung verweigern, kommen jedoch erhebliche bürokratische Hürden zu, wie Biach erläutert:

Neue E-Card:Biach zu Gültigkeit
  • Von welchen Zusatzfunktionen wird der Patient profitieren können?

Biach kündigt eine Reihe von Funktionen an, die in den kommenden Jahren eingeführt werden sollen:

Neue E-Card: Biach zu zusätzlichen Funktionen