Chronik | Österreich
02.08.2018

15-jährige Terrorverdächtige wegen Unreife wieder frei

Dem Mädchen wurde eine "verzögerte Reife" attestiert.

In Internet-Chatrooms radikalisierter IS-Fanatiker soll die 15-jährige Niederösterreicherin mit einem Anschlag mit dem militärischen Nervengift „Agent Orange“ gedroht haben. Ihr Anwalt, Wolfgang Blaschitz, hat von Anfang an darauf plädiert, dass es nichts anderes war als „Wichtigmacherei eines pubertierenden Teenagers“. Nach drei Monaten in Untersuchungshaft musste das nun auch die Staatsanwaltschaft St. Pölten so zur Kenntnis nehmen. Die Schülerin wurde am Mittwoch eiligst enthaftet, nachdem die renommierte Gerichtspsychiaterin und Neurologin Gabriele Wörgötter dem Mädchen eine „verzögerte Reife“ und somit Unzurechnungsfähigkeit attestierte. Die Pubertierende sei nicht in der Lage gewesen, die Tragweite und strafrechtliche Relevanz ihrer Ergüsse in den Internetforen zu erkennen, heißt es im Gutachten. Der Terrorverdacht ist damit vorerst vom Tisch.

Katholische Eltern

Die Tochter albanischer, erzkatholischer Eltern, ist in einer 3000-Seelen-Gemeinde im Mostviertel in einem wohlbehüteten Elternhaus aufgewachsen. Das Mädchen konvertierte 2016 zum Islam. Anfang des Jahres wurde der Verfassungsschutz auf sie aufmerksam. Unter dem Decknamen „Dawud Al Amriki“ trat das Mädchen vom Computer ihres Kinderzimmers aus über den Messenger-Dienst „Telegram“ mit IS-Sympathisanten in Verbindung. In zahlreichen Chats gab sie an, für einen Anschlag in Wien, Frankreich und anderen westlichen Orten Giftstoffe wie das Insektengift „Dichlordiphenyltrichlorethan“ (DDT) zu suchen.

Am 18. Mai wurde das Mädchen in St. Pölten in U-Haft gesteckt. Nach ihrer Freilassung kritisiert Blaschitz, dass die Justiz erst auf sein Drängen nach Wochen die Gerichtspsychiaterin beauftragt hatte.