Chronik | Oberösterreich
21.11.2018

Wo das Spielen Teil des Jobs ist

Computerspielarchiv mit 40.000 Exponaten unterstützt Linzer Start-up-Zentrum

Im Rekordtempo hat sich die einstige Tabakfabrik neben dem Ars Electronica Center zum zweiten internationalen Linzer Standbein für Kreativwirtschaft verwandelt. Nahe der Donaulände, wo bis vor knapp einem Jahrzehnt noch massenhaft Zigaretten von den Fließbändern rollten, wurde am gestrigen Dienstag gefeiert.

In den denkmalgeschützen Fabrikshallen präsentierten sich entlang der 230 Meter langen „Strada del Start-up“ rund drei Dutzend junge innovative Firmen der Öffentlichkeit. Zugleich öffnete auch erstmals die europaweit repräsentativste Sammlung von Computerspielen.

Das sogenannte „Gamespace“ ist nur eine von 56 Büroeinheiten (genannt Pixel), die in der neuen Strada beheimatet sind. Mit 40.000 Videospielen, Konsolen, dazugehörigen Fernsehgeräten, Fachbüchern und Zeitschriften beschert der Sammler Andranik Ghalustians der Tabakfabrik einen sehr unterhaltsamen Beitrag.

„Ich möchte in der Tabakfabrik ein Zentrum der Praxis und Forschung in den Bereichen interaktive Medienkunst, Art Games und Game Art etablieren“, kündigt der Fan und Forscher an. Der milliardenschweren Spiele-Industrie in der Tabakfabrik Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen, habe er von Beginn an geplant, versichert Geschäftsführer Chris Müller. „Dass eine Weltmetropole wie Paris derzeit ganz massiv auf die Förderung des Wachstumsmarktes Computerspiele und die damit verbundenen Branchen setzt, bestärkt mich in diesem Schwerpunkt“, erklärt er.

Die riesige Sammlung an elektronischen Spielen aller Größen ist großteils mietbar, soll aber auch den Start-ups im Haus zur Verfügung gestellt werden. Der gewaltige Fundus interessiert auch Oberösterreichs IT-Kaderschmiede, die FH Hagenberg, sehr. Die Entwicklung von Computerspielen erfordere eine breite Basis an Fähigkeiten, wie Software Engineering, Computergrafik oder Sounddesign, bestätigt der aus den USA stammende Professor Jeremiah Diephuis.

Etliche Studenten seien jedenfalls in dem Fachbereich bereits sehr erfolgreich unterwegs. Im Blickfeld haben die Linzer nicht nur die Unterhaltungsspieleszene. Der Bedarf an Spielen zur Weiterbildung und zum Training nehme rasant zu, versichern die Experten.

Neue Zeiten

Für die in Linz bereits sehr aktive „Gamer-Community“ brechen mit dem neuen Schwerpunkt in der Tabakfabrik jedenfalls neue Zeiten an. Es sind Messen, Workshops, aber auch Initiativen zur Reparatur und die Vernetzung mit Entwicklern geplant, erklärt Stefan Schraml von der Plattform „GameStage“. Mit der Eröffnung der bereits fast ausgebuchten „Strada del Start-up“, in der rund 300 Beschäftigte arbeiten, sieht sich Bürgermeister Klaus Luger im Vorhaben bestätigt, Linz zur „innovativsten Stadt Österreichs“ machen zu wollen. 1,7 Millionen Euro wurden in die Kreativ-Meile investiert.

Die Konzentration an Start-ups in der ehemaligen „Tschickbude“ ist österreichweit einzigartig. Denn auch in der 2018 gegründeten „Factory300“ werken 30 aktive Start-ups mit 470 Mitgliedern.