Susanne Fürst, Spitzenkandidatin der FPÖ für Oberösterreich

© hermann wakolbinger

Chronik Oberösterreich
09/08/2019

„Wir lassen uns zum Teil verdrängen“

Die Zuwanderung veranlasste die Linzer Anwältin sich für die FPÖ zu engagieren. Sie fürchtet um die freiheitliche Grundordnung.

von Josef Ertl

Die Rechtsanwältin Susanne Fürst, die der Wirtschaftskanzlei von Saxinger, Chalupsky & Partner angehört, führt die oberösterreichische FPÖ-Liste für die Nationalratswahl an. Die 50-jährige Linzerin ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Sie gehört dem Parlament seit November 2017 an.

KURIER: Warum sind Sie als etablierte Anwältin in die Politik gegangen?

Susanne Fürst: Ich hatte 2014, 2015 zunehmend den Drang politisch tätig zu werden. Ich dachte mir, ich kann mit meiner beruflichen Erfahrung etwas einbringen. Ich habe mich dem Oppositionskurs von Strache und Kickl identifizieren können.

Kommen Sie aus einem freiheitlichen Haus?

Nein, meine Eltern waren als Viehhändler selbstständig. Es war ein ÖVP-geprägtes, bürgerliches Haus, also rechts der Mitte. Ich habe mich aber in jungen Jahren schon von der ÖVP ab- und der FPÖ zugewandt. 2014 habe ich als Expertin für Fragen der direkten Demokratie Norbert Hofer kennengelernt. Ich war dann eineinhalb Jahre freiheitliche Vertreterin im Publikumsrat des ORF, bevor ich 2017 in den Nationalrat kam.

Was fasziniert Sie an der FPÖ?

Die FPÖ hat als einzige Partei die politisch korrekte Decke, die sich überall darüber gestülpt hat, durchbrochen. Sie hat die wahren Probleme, nämlich die Zuwanderung und Migration, angesprochen. Ich bin auch mit dem Weltbild, nämlich der Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Verfassungsordnung, komplett ident. Wenn diese Grundordnung in Gefahr ist........

....die Sie in Gefahr sehen?

Ja. Wir müssen sie verteidigen. Das macht nur die FPÖ.

Wo genau ist die Grundordnung gefährdet?

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten sehr viele bedrängte Menschen aufgenommen. Das konnten wir verkraften, weil sie eine doch uns verwandte Lebensweise pflegen. Die Aufnahmefähigkeit ist auch eine Frage der Zahl. Die Zuwanderungswelle 2015 kam aus muslimischen Gesellschaften und aus Ländern vom anderen Ende der Welt, die eine andere Kultur und einen anderen Lebensstil pflegen. Hier kommt es zu einem Zusammenprall der Kulturen. Wir sind gefragt, unseren Lebensstil, den wir aufgebaut und genossen haben, zu verteidigen. Wir müssen ihn auch einfordern.

Es gibt Politiker wie den ehemaligen Landesrat Elmar Podgorschek, die den Islam für unvereinbar mit der westlichen Werten halten.

Ich kann es in dieser Pauschalität nicht beurteilen. Ich würde das so nicht sagen. Der Islam ist eine anerkannte Religion. Es gibt Menschen, die sich integrieren und unseren Lebensstil schätzen. Ich halte die Trennung von Staat und Religion für wesentlich. Jene, die meinen, dass die Religion über unserer Rechtsordnung steht, jene, die meinen, dass religiöse Würdenträger auch Politiker sind, stellen unsere demokratische Grundordnung in Frage. Da kommt es zu diesem Clash. Wir müssen unser System verteidigen.

Wie soll man das lösen?

Durch eine Begrenzung der Zuwanderung und durch eine verstärkte Einforderung unserer Grundsätze.

Was halten Sie von „Mischkulturen“, wie Sie Landesrat Klinger definiert hat?

Ich kann mit dem Begriff nichts anfangen. Wir waren vor wenigen Jahrzehnten eine homogene Gesellschaft. In den letzten Jahrzehnten sind viele Menschen aus fremden Kulturkreisen dazugekommen. Daraus ergeben sich viele Probleme, was für Sicherheitslandesrat Klinger sein täglich Brot ist. Wir müssen nun schauen, dass wir im Zusammenleben zu Rande kommen.

Wäre Ihnen eine homogene Gesellschaft, wie wir sie früher hatten, lieber?

Ich bin in den 1970er und den 1980er Jahren groß geworden. Die Kulturkonflikte und die Kriminalität, die wir heute haben, hat es damals so nicht gegeben. Mit jenen, die unseren Lebensstil pflegen, habe ich kein Problem. Nur jene, die verlangen, dass wir uns ändern sollen, sollen unser Land verlassen. Ich kann nicht damit leben, dass wir uns verdrängen lassen sollen.

Lassen wir uns verdrängen?

Zum Teil ja. Wenn Sie sehen, was zum Teil auf der Straße los ist. An den Schulen kann man es gut ausmachen. Wir sind vor allem in Großstädten zahlenmäßig schon in der Minderheit. Mit so einer Klasse ist für den Lehrer fast unmöglich, den Unterricht zu führen, der vor 30 Jahren noch möglich war. Die Ombudsfrau und Wiener Lehrerin Susanne Wiesinger sagt, das von 25 Kindern 21 zu integrieren sind und dass es Sprachdefizite gibt. Es ist durch die anderen Kulturen eine völlig andere Denkweise eingezogen, sodass es in Klassenzimmern zu religiösen Konflikten kommt. Da werden die Christen als Schweinefleischfresser bezeichnet. Da gibt es Ehrdelikte, die es bei uns nicht gegeben hat. Wir sind in der Defensive und können uns des Ansturms nicht mehr erwehren. Da sind islamisch geprägte Menschen, die ihre Identität und ihren Lebensstil sehr selbstbewusst leben wollen. Dem haben wir nichts Ausreichendes entgegenzusetzen. Wir müssen da mindestens so selbstbewusst sein und festlegen, was wir von Menschen von außen verlangen, wenn sie hier bei uns leben.

Die Gleichberechtigung der Frau ist für mich ein großes Thema. Man merkt schon die Verachtung, wenn wir im Sommer mit der westlich-sommerlichen Bekleidung auftreten und die Mädchen in der Schule bedrängt werden.

Sehen Sie die freiheitliche Grundordnung durch die Äußerungen von Strache und Gudenus im Ibiza-Video nicht in Gefahr?

Hier wurden die freiheitlichen Werte verraten. Die Aussagen sind nicht zu entschuldigen. Die beiden haben die Konsequenzen gezogen und sind zurückgetreten. Da war unglaublich viel realitätsferne Prahlerei dabei. In einer alkoholgeschwängerten Atmosphäre.

Die Kritik an der FPÖ lautet, dass sie ein autoritäres System á la Orban anstrebt, das auch die freiheitliche Grundordnung aushebelt.

Das trifft nicht im geringsten zu. Allein wenn wir im Parlament etwas entschieden und Handlungsfähigkeit gezeigt haben, wurde das von der Opposition als illiberal und autoritär bezeichnet. Ich weiß nicht, was sich in den vergangenen zwei Jahren autoritär verschoben hätte. Ich sehe das auch in Ungarn nicht.

Sie haben kein Problem mit Orban?

So wie ich es verfolge, nicht. Er hat sich 2015 rechtsstaatlich verhalten und die Grenzen nicht aufgemacht. Er hat sich an die EU-Verträge gehalten und ist dafür verteufelt worden. Die Vorwürfe der EU gegen ihn sind vollkommen lächerlich.