Bürgermeister und DJ Fabian Grüneis

© hermann wakolbinger

Chronik Oberösterreich
08/18/2019

„Wille und Ehrlichkeit sind ganz wesentlich“

Fabian Grüneis. Er ist 23, DJ und Bürgermeister und das mit grünen Haaren. Die Mädchen machen Selfies mit ihm, im Winter erscheint sein erstes Album.

von Josef Ertl

Fabian Grüneis ist Bürgermeister der 3757 Einwohner umfassenden Gemeinde Waizenkirchen (Bez. Grieskirchen). „Das ist mein Beruf“, sagt der 23-Jährige. „Ich bekomme dafür 2500 Euro netto pro Monat.“ Hätte er keinen Nebenverdienst, würde er monatlich rund 1000 Euro mehr bekommen. Seine primäre Nebentätigkeit ist DJ („Greenice“), dazu kommen Engagements als Programmierer und Marketingaktivitäten. Er hat die HTL für Informatik in Grieskirchen absolviert (Matura mit Auszeichnung).

KURIER: Wie kamen Sie zu Ihrem Engagement als DJ?

Fabian Grüneis: Musik hat mich immer schon begeistert, noch dazu wenn man andere Menschen motivieren kann. Ich habe das ohne Anleitung gemacht. Ich habe mir YouTube-Videos angesehen. Ich habe mir alles mit dem Internet selbst beigebracht und zu Hause viel geübt. Vor fünf Jahren kamen die ersten Auftritte.

Wie viele Auftritte haben Sie im Jahr?

Rund 70.

Was verdient man dabei?

Das ist unterschiedlich. Bei den größeren Festivals verdient man weniger, bei den kleineren mehr. Es gibt Gigs, da geht es primär um die Promotion, da bleibt mir gar nichts.

Sie haben Ihre Haare grün gefärbt. Warum?

Ich heiße Grüneis, der DJ-Name ist Greenice. Früher habe ich mit meinen braunen Haaren aufgelegt, die Leute waren gut drauf, alles war cool. Ich gehe runter vom DJ-Pult und keiner hat mich mehr gekannt. Die grünen Haare sind nun mein Markenzeichen. Anfangs haben alle ein bisschen gelacht, aber es hat funktioniert.

Was unterscheidet Sie von anderen DJs?

Ich habe einen einzigartigen Stil, sowohl von meinen Liedern als auch von der Show. Ich nehme mich selbst nicht zu ernst, Spaß und Humor stehen im Vordergrund. Ich starte viele neue Projekte, die es kaum gibt. Mit Electric Love haben wir eine Bandshow gespielt, das heißt, wir haben mit zehn Künstlern auf der Bühne performt. Das gibt es kaum, dass jemand Live-Künstler mit hat.

Sie sind seit November 2018 Bürgermeister. Waizenkirchen ist nicht unbedingt die Ausgeburt der Progressivität, viele Jahre war die Marktgemeinde durch den Pornojäger Martin Humer bekannt. Wie kommt es, dass die Gemeinde Sie als 23-Jährigen mit grünen Haaren akzeptiert?

Zwei Dinge sind ganz wesentlich. Das eine ist der Wille, das andere ist Ehrlichkeit. Mein Slogan auf den Plakaten war Weil der Wille zählt. Ich habe jeden Haushalt persönlich besucht, ich habe in den 60 Tagen vor der Wahl 1.348 Hausbesuche gemacht. Die Menschen haben gemerkt, dass ich es ernst nehme und gute Ansätze habe. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich noch immer DJ sein werde, weil es mein größtes Hobby ist. Sie haben mir gesagt, wenn Du das ordentlich machst, dann passt das. Viele interessieren sich für die grünen Haare und unterstützen das großteils. Heuer haben wir mit den Gemeindebediensteten einen Betriebsausflug in das Empire in St. Martin/M., in die größte Disco in Oberösterreich, gemacht, weil sie neugierig waren, wie meine Auftritte aussehen. Alle waren auf der Tanzfläche. Nie vergesse ich, wie der Bauhofarbeiter, der kurz vor der Pension ist, mit der jungen Köchin getanzt hat.

Die ÖVP, die eine konservative Partei ist, hat Sie auch geschluckt?

Geschluckt ist relativ. Ich habe mit 16 Jahren die Junge ÖVP gegründet. Ich bin auch Bezirksobmann geworden. Ich habe mich dort zu Hause gefühlt, obwohl ich aus einem völlig unpolitischen Haus komme. Mit den anderen Parteien konnte ich nichts anfangen. Die Grünen waren mir zu links, die Blauen zu rechts, mit der Jugendarbeit der SPÖ habe ich mich überhaupt nicht identifizieren können.

Im Zentrum von Waizenkirchen wird massiv gebaut. Was passiert?

Der Marktplatz wird komplett umgebaut. Das hat mein Vorgänger gemacht, ich bin nun mit der Durchführung beauftragt. Wir haben einen Architektenwettbewerb gemacht.

Wohin soll sich Waizenkirchen entwickeln?

Waizenkirchen steht grundsätzlich sehr gut da. Wir haben rund 1000 Arbeitsplätze und dadurch ein gutes Kommunalsteueraufkommen. Der Verkehr soll beruhigt werden. Es wäre schön, wenn wir noch einen Hausarzt dazubekämen. Und Fachärzte. Es gibt auch schwierige Themen wie den Hochwasserschutz. Es gibt Gegner, es ist schwierig eine Lösung zu finden, mit der halbwegs alle leben können. Wir brauchen weiters eine Lösung für das Wasserschloss. Ein Vorbild ist für mich die Tabakfabrik in Linz, wo man aus einem alten Gebäude eine Supersache gemacht hat.

Wo ist Ihre persönliche Perspektive? Wo wollen Sie in zehn Jahren stehen?

Ich kann es nicht sagen. Ich bin momentan voll zufrieden. Mir gefällt das Auflegen in der Nacht und die Arbeit in der Gemeinde während des Tages. Das ist der perfekte Ausgleich, das kann ich mir relativ lange so vorstellen.

Sie haben einen neuen Song mit dem Titel „Payoff“ herausgebracht, der sofort auf Platz 3 der iTunes Dance Charts gelandet ist.

Ich habe mittlerweile drei Songs veröffentlicht. Im Winter kommt ein Album mit 15 Nummern heraus. Ich arbeite mit einem Produzenten aus Frankenburg zusammen. Wir holen uns Sängerinnen und Partner dazu. Dass DJs heute in den Charts sind, ist nichts Neues mehr.

Das YouTube-Video hat jetzt 25.000 Streams. Die erste Nummer Take me higher hatte eine Million Streams. Wenn die Leute meine Musik hören, sind sie gut drauf und motiviert. Bei Payoff heißt es, Schritt für Schritt werden wir stärker und stärker und irgendwann wird es sich auch auszahlen.

Es ist mir wichtig, mit den verschiedensten Leuten zusammen zu arbeiten. Ich treffe mich zum Beispiel mit einer Punkrock-Band aus St. Pölten, mit der wir auch gemeinsam ein Lied machen. Im Winter geht auch wieder die Tour durch die Diskotheken los.

Nachtarbeit ist anstrengend.

Anstrengend ist der DJ-Jetlag. Wenn man von Samstag auf Sonntag um sechs Uhr früh ins Bett geht und am Montag um sechs Uhr früh wieder aufsteht.

Wie ist es mit dem Alkoholkonsum?

Meistens trinke ich nichts. Vor allem wenn ich mit dem Auto fahren muss. Wenn ich nicht fahren muss, trinke ich manchmal etwas, hin und wieder eines mehr. Wenn ich mir viermal die Woche einen hineinstellen würde, würde ich das nicht aushalten.