Rektor Meinhard Lukas

© Harald Dostal

Chronik Oberösterreich
09/29/2019

Stipendien sollen Ärzte im Land halten

Das neue Studium der Artificial Intelligence wird extrem stark belegt. Ebenso Medical Engineering. Ein Gespräch mit dem Rektor der Linzer Kepleruniversität, Meinhard Lukas.

von Josef Ertl

Mit Anfang Oktober startet das Wintersemester 2019/’20. Ein Gespräch mit Meinhard Lukas (49), dem Rektor der Johannes Kepler Universität (JKU).

KURIER: Sie wollen mehr Studierende für die MINT-Fächer gewinnen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Gelingt Ihnen das schon für das neue Studienjahr?

Meinhard Lukas: Man kann es noch nicht absehen, weil die Anmeldezahlen endgültig erst im November da sind. Es liegen aber für das neue Studium Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz) bereits Hunderte Anmeldungen vor. Es ist europaweit das erste Studium dieser Art.

Können Sie die alle bedienen?

Selbstverständlich. Für das neue Studium Medical Engineering haben sich mehr als hundert angemeldet. In der Informatik und der Mechatronik haben sich nicht weniger angemeldet. Unsere Intentionen gehen voll auf. Viele angehende Studenten bevorzugen Wien. Nach ein paar Semestern werden die Betreuungsqualität und der persönliche Kontakt wichtiger. Diese Studierenden wollen wir abholen, auch in Wien.

Glauben Sie, dass die Intention, durch die Medizinfakultät mehr Ärzte nach Oberösterreich zu bringen, aufgehen wird?

Diese Idee ist völlig richtig. Alle Beispiele zeigen, dass sich die jungen Menschen dort niederlassen, wo studiert wird. Wir haben einen massiven Braindrain von Oberösterreich nach Wien, weil so viele in Wien studieren und dort bleiben. Das ist eine der größten Herausforderungen, die wir an diesem Standort haben. In der Medizin, in der Technik, zwischenzeitlich auch schon in den Wirtschaftswissenschaften. Deswegen ist es so wichtig, dass wir hier ein attraktives Angebot haben. Am Ende dieses Studienjahres promovieren die ersten Linzer Medizinstudenten. Dann werden wir es sehen.

Es gibt verschiedene Überlegungen, wie man die Medizinstudenten bewegen kann, doch hier im Land zu bleiben. Eine Idee ist, eine Studiengebühr einzuheben, die aber von jenen nicht bezahlt werden muss, die als Ärzte hier bleiben.

Ich halte es für unbedingt wichtig, über Anreizsysteme nachzudenken, dass Studierende hier bleiben. Aus europarechtlichen Gründen wird das über die Studiengebühr schwer zu steuern sein. Ich halte es für absolut richtig, über Stipendienmodelle nachzudenken, die das Stipendium daran binden, dass die Studenten dann hier in der Region Oberösterreich tätig werden. Das wird rechtlich möglich sein. Hier gibt es auch politische Überlegungen. Ich habe das etwa auf der Agenda des Sebastian Kurz gesehen. Ich halte das für einen verfolgenswerten Vorschlag. Wir werden so etwas brauchen.

Es sollen also Studenten Stipendien gewährt werden, die sie nicht zurückzahlen müssen?

Ja, wenn sie das Versprechen erfüllen, beispielsweise als Kassenarzt in der Region tätig zu werden. Wir haben das Problem, zu wenig Hausärzte zu haben, nicht nur in den ländlichen Regionen, sondern zwischenzeitlich auch in den Städten. Die Zahl der Wahlärzte und der Nicht-Kassenärzte nimmt zu. Das ist ein großes soziales Problem. Denn es bedeutet, dass Menschen, die es sich leisten können, schneller einen Zugang zur medizinischen Leistung bekommen als jene, die sich das nicht leisten können. Das darf man in Österreich nicht zulassen.

Heuer wurden das Somnium auf dem TNF-Turm und die LIT-Factory an der Kepleruni eröffnet. Die neue Eingangshalle und der Neubau der Bibliothek sind baulich weit fortgeschritten. Wie wird es hier weitergehen?

Wir führen an der JKU die größte Infrastrukturoffensive seit ihrer Gründung durch. Wenn ich alles zusammennehme, inklusive des Campusgebäudes der Medizinfakultät, das vom Land finanziert wird, investieren wir 200 Millionen Euro am gesamten Universitätsstandort. Entweder mit Bundes- oder mit Landesgeld. Damit wird sich die Infrastruktur massiv ändern. Wir sind absolut im Zeitplan. Die Keplerhall, die neue Aula der Universität und die Homebase für unser Sportinstitut, werden im Frühjahr eröffnet. Das neue Learning Center als Erweiterung der Bibliothek wird ebenfalls im Frühjahr eröffnet. Die beiden Scienceparks IV und V werden im Frühjahr 2021 fertig sein. Mit dem Sciencepark V holen wir die LIMAK (Linzer Management Akademie) zurück an die Universität.

Das ist nicht das Ende. Wir denken mit der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) über den Campus 2.0 im Westen des Universitätsgeländes nach. Es geht darum, für die neue Business School und zugehörige Bereiche ein neues Gebäude zu errichten. Mit dem Ziel, das ehemalige Institutsgebäude I gänzlich der Lehre zu widmen. Damit sollen die sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Institute (SOWI) in ein neues Gebäude gebracht werden. Das wird dann das neue SOWI-Gebäude. Das bestehende Managementcenter benötigen wir für die Erweiterung der Physik.

Die Universität wird neu gegliedert. Die technologischen Fächer bilden das LIT (Linz Institute of Technology), die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die Business School. Dazu kommt die Medical School.

Das LIT umfasst auch die naturwissenschaftlichen Fächer mit allen Implikationen, die Technologie hat. Sie ist eine Art Querschnittsorganisation. Neben der Business School werden wir eine School der Social Sciences (Sozialwissenschaften) haben. Dazu kommen noch die Law School und die Medizinfakultät. Bei der Law School werden wir ein völlig neues Angebot in der Bologna-Struktur haben, wo das fünfte Studienjahr zugleich die Gerichtspraxis ist. Damit hat dann die Universität ein klares Profil.

Sie wollten ein College errichten, das den Studenten die Möglichkeit bietet, auf dem Universitätsgelände zu wohnen. Wie weit ist das gediehen?

Das Projekt hat einen Rückschlag erlitten, weil wir das maßgebliche Grundstück nicht umgewidmet bekommen haben. Die Investorfrage ist nun schwieriger geworden, denn die Idee ist, dass ein Privatinvestor das College baut und die Miete von Land und Industrie gefördert wird. Die Planung ist auf Schiene, das Projekt ist aber zeitlich verzögert.

Es gibt auch Überlegungen, die Universität neu zu benennen. Wie sehen Ihre Überlegungen aus?

Die Johannes Kepler Universität ist auf dem Weg zu einer technologischen Universität. Der Technologie-Begriff ist viel weiter als der Technik-Begriff der technischen Universitäten. Es geht um die gesamte Transformation, die mit der technologischen Innovation verbunden ist. Das verändert nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern die gesamte Gesellschaft. Damit sind die Sozialwissenschaften angesprochen. Es wird neue rechtliche Rahmen brauchen, damit sind die Rechtswissenschaften betroffen. Es verändert die Geschäftsmodelle und die Wirtschaft, damit sind die Wirtschaftswissenschaften angesprochen. Damit ist die Kepler Universität mit ihren Fakultäten und Schools perfekt aufgestellt als technologische Universität im ganz weiten Sinne. Deshalb wird man darüber nachdenken müssen, ob das nicht im Namen zum Ausdruck kommt. Die Universität Linz könnte einmal die Technologische Universität Linz sein.

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