Der Seezugang des Austria Camps

© hermann wakolbinger

Chronik Oberösterreich
07/29/2019

„Standen vor der Entscheidung das Austria Camp zuzusperren“

Austria Camp Mondsee. Die extreme Pachtsteigerung von 80 Cent auf 92.591,20 Euro zwingt die Junge ÖVP zu erhöhten Tarifen.

von Josef Ertl

Der Badeplatz des Austria Camps (Gemeinde . St. Lorenz) ist ungebrochen attraktiv. Ein langer Holzsteg mit anschließender Metallstiege führt ins grün-blaue Wasser des Mondsees, der hier weit hin aus seicht und damit für Kinder ideal ist. Der Blick auf das typische Mondseeland ist großartig, auf der Rückseite begrenzt die Drachenwand den Horizont.

 

1967 erhielt die Junge ÖVP unter dem damaligen Obmann und späteren Landesrat Hans Winetzhammer vom Land Oberösterreich dieses Grundstück zur Verfügung gestellt, damit die Jugendlichen dort zelten und baden konnten. Bedingung war, dass der Badeplatz öffentlich zugänglich ist, was bis heute der Fall ist. Die Roten erhielten für ihre Organisation, die Jungsozialisten, ein Grundstück am Attersee. Damals war alles von den Roten und Schwarzen beherrscht.

 

Im vergangenen Herbst zündete der Landesrechnungshof die Bombe. Die Junge ÖVP sollte plötzlich für das 14.029 Quadratmeter große Grundstück eine „marktkonforme“ Pacht von 92.591,40 Euro jährlich bezahlen. Statt bisher 80 Cent. Die Jungsozialisten sollten für die 37.373 Quadratmeter am Attersee 165.000 Euro Pacht bezahlen, was sie mit dem Verweis auf den bestehenden Vertrag verweigern.

 

„Es hat sich dadurch fast alles verändert“, schildert Fabio König (26), als Landesgeschäftsführer der Jungen ÖVP für das Austria Camp zuständig, die plötzlich veränderte Lage. Claudia Plakolm (24), Landesvorsitzende und Abgeordnete zum Nationalrat, schildert die Dramatik: „Wir standen vor der Entscheidung, ob wir es weiterführen oder zusperren. Wir haben uns für das Weiterführen entschieden. Es ist uns wichtig, dass Jugendliche günstig Urlaub machen können. Das Camp wird außerdem von unseren Ortsgruppen genutzt, wir machen hier unsere Seminare. Wir nehmen Umstrukturierungen vor, um es effektiver zu gestalten. Gastronomie und Verwaltung wurden in einem an die Familie Sched verpachtet. Wir müssen das Camp attraktiv halten.“ Es gebe eine Kooperation mit einer Tauchschule, weiters sei ein Fahrradverleih geplant, einen Stand-up-Paddel-Verleih gebe es schon.

 

„Wir waren auch gezwungen die Struktur von Dauer- zu Urlaubscamper zu ändern.“ Bisher waren die Hälfte Dauercamper, die pro Saison 1500 Euro bezahlten (inklusive zwei Personen). Der Tarif wurde auf 2900 Euro (inklusive drei Personen und Tourismusabgabe) beinahe verdoppelt. Die Folge: Ein Teil der jahrelangen Gäste zog ab, der Anteil der Dauercamper sank auf 30 bis 40 Prozent. „Die Erhöhung war schwer zu kommunizieren, vor allem aufgrund der Kurzfristigkeit“, erklärt König, „wir haben das mit 1.1.2019 sofort umgesetzt. Wir haben sie auch sofort umsetzen müssen, weil wir es sonst nicht überlebt hätten.“ Bei manchen Dauercampern sei das auf Unverständnis gestoßen, die ihre Kritik auf lautstark geäußert hätten. Unter ihnen waren auch langjährige ÖVP-Funktionäre. Plakolm entgegnet: „Für das, was wir bieten, ist es immer noch günstig.“

 

Der Platz am Campinggelände kostet nun zehn Euro pro Nacht. Dazu kommt noch die Tourismusabgabe von zwei Euro. Weiters acht Euro pro Erwachsenen in der Hauptsaison. König: „Der Badeplatz ist öffentlich, das wird auch immer so bleiben. Wir verlangen für das Parken fünf Euro, die auch die Benutzung der Toiletten und der Duschen inkludieren.“ Früher war der Parkplatz kostenlos.

20.000 Nächtigungen

„Der Anspruch an Urlaub und Camping hat sich gegenüber den 1970-er Jahren verändert und ist höher geworden“, so König. Dennoch nimmt das Campen zu. König spricht von „zweistellige Wachstumsraten. Wir merken das extrem.“ Dieser Trend stimmt König zuversichtlich, das Camp wirtschaftlich halten zu können. Im vergangenen Jahr gab es 20.000 Nächtigungen.