Beim vorwöchigen EU-Wahlkampfevent noch ein Team: Stadlbauer und Gerstorfer (r.)

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Chronik | Oberösterreich
05/14/2019

SPÖ rüstet für Wahl 2021, riskiert aber internen Streit

Neo-Manager der SPÖ Oberösterreich, Georg Brockmeyer, arbeitete vor Jahren mit Tal Silberstein.

Nicht so harmonisch wie kommuniziert dürfte sich der Austausch der SPÖ-Landesgeschäftsführerin in Oberösterreich abspielen. Mitten im Intensivwahlkampf für die EU-Wahl hat Parteichefin Birgit Gerstorfer am Sonntag, wie berichtet, mit der Ablöse von Bettina Stadlbauer überrascht. Der schon für die Ex-Bundesparteichefs Alfred Gusenbauer und Christian Kern tätige Deutsche Georg Brockmeyer soll ab Juni neuer Geschäftsführer werden. Sein Auftrag: Die SPÖ für die Landtagswahlen 2021 fit machen. Neben Stadlbauer dürften noch andere Mitarbeiter in der Zentrale nicht mit der neuen Linie mitkönnen.

Noch vergangenen Donnerstag feierte die SPÖ mit den EU-Spitzenkandidaten vor dem Linzer Lentos einen von Stadlbauer gemanagten Wahlkampfauftakt. Am Freitag wurde sie gefeuert. Hinter den „persönlichen Gründen“, wie es in der Parteiaussendung als Grund genannt wurde, steht aber Druck von Gerstorfer und Klubobmann Christian Makor.

Veränderung

„Sie hat gewusst, dass Veränderungen anstehen“, sagt Gerstorfer. Als die Entscheidung für den „sehr erfahrenen“ Wahlkampfmanager Brockmeyer gefallen war, wollte sie die Kommunikation darüber selbst steuern, erklärt die Parteichefin, warum sie die Ablöse am Sonntag publik gemacht hat. Davor hatte sie den Parteivorstand informiert.

Mit Stadlbauer, die für den KURIER nicht erreichbar war, gab es am Sonntagabend eine Aussprache. Wie Gerstorfer versichert auch Makor, dass es keinen Streit gebe. „Der Zeitpunkt für den Wechsel ist gut. Jetzt muss es mit einem Kommunikationsprofi nach vorne gehen. Ihm werden von der Bundespartei Rosen gestreut“, sagt Makor. Unterschiedlich die Reaktionen anderer SPÖ-Granden. AK-Präsident Johann Kalliauer will die Situation nicht kommentieren. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sieht es als „Recht der Parteichefin, ihre Leute zu bestellen“.

Gerstorfer, Makor, aber auch der oö. EU-Spitzenkandidat der SPÖ, Hannes Heide, sind überzeugt, dass die Personalentscheidungen in der Landeszentrale keinen einfluss auf das Wählerverhalten haben. "Wir sind ein gutes Team, die Kampagne ist genau organisiert und getaktet", sagt Heide. Er sei sich sicher, dass im Inneren Salzkammergut ein durchschnittlicher SPÖ-Wähler wenig Ahnung über die Landesgeschäftsführung habe, glaubt Heide. 

Silberstein

Brockmeyer ist auf Urlaub. Am Telefon erklärt er durch die Einbindung des Landesvorstands eine erste Akzeptanz der Partei erhalten zu haben. OÖ kenne er aus Wahlkämpfen und durch seine Lebensgefährtin, die aus OÖ stamme. „Lächerlich, wenn man sonst nix zu bieten hat“, sagt Brockmeyer zu einer ersten Kritik von ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer. Der warf der SPÖ vor, dass sie den Wahlkampf zwei Jahre vor der Wahl starte und mit Brockmeyer einen Mann engagiere, der mit Dirty-Campaigning-Organisator Tal Silberstein gearbeitet hat. Brockmeyer: „Ich habe Silberstein nachweislich zuletzt vor 13 Jahren gesehen“.

Wolfgang Atzenhofer