Spezialpapier anstelle von Zeitungen
Die Delfort Group hat ihren Sitz in Traun und beschäftigt 3.300 Mitarbeiter auf drei Kontinenten.
„Bei Spezialpapieren ist Österreich weltweit führend bei der Innovationskraft“, sagt Martin Zahlbruckner, Präsident des Branchenverbandes Austropapier mit 23 Mitgliedsbetrieben und 7.300 Mitarbeitern in Österreich. Die Branche mit zuletzt 4,4 Milliarden Euro Umsatz steht vor Abschluss einer Transformationsphase: Zeitungs- und Magazinpapier werden immer mehr durch Kartonpapiere ersetzt.
Der Hintergrund: Immer mehr Leser konsumieren Nachrichten online, die Magazine werden dünner, während zugleich der Onlineversand und mit ihm der Bedarf nach Kartons zunimmt. Doch auch innerhalb des Karton- und Verpackungsbereichs tut sich Gewaltiges: Dank Forschung und Entwicklung – allein 2025 wurden in der Branche 190 Millionen Euro dafür investiert – haben Spezialpapiere stark zugenommen – zulasten von Kunststoff. „Wir machen einen Ersatz dort, wo Kunststoff nicht notwendig ist“, so Zahlbruckner.
Forschung
Allein seine Firma stecke pro Jahr Millionen in die Forschung, um neue Anwendungen zu entwickeln, so der Chef der Delfort Group mit Sitz in Traun und 3.300 Mitarbeitern auf drei Kontinenten. Delfort stellt unter anderem Lebensmittelverpackungen, Back- und Kochpapiere, Flugblatt-Dünnpapiere, Papiere für Laborschnelltests und Papiere für Batterieseparatoren her.
Ein weiterer Spezialist aus Oberösterreich ist die Firma Merckens aus Schwertberg, die unter anderem Hartpappe für die Automotive-Industrie, Pappe für Schuheinlagen und brandhemmende Pappe produziert. Merckens beschäftigt 90 Mitarbeiter und liefert in 50 Länder.
Zigaretten-Filterpapier
Die Tann Group in Traun stellt mit 700 Mitarbeitern Filterpapier für Zigaretten her und ist in diesem Bereich Weltmarktführer. Weitere bedeutende Papierfabriken in Oberösterreich werden von Smurfit Westrock, Heinzel Group (Laakirchen und Steyrermühl) und Lenzing Paper betrieben, wobei die Lenzing AG als Zellstoffhersteller ebenfalls zur Branche gehört. Diese hat nach wie vor mit hohen Energiepreisen zu kämpfen, was Nachteile im Wettbewerb mit Mitbewerbern unter anderem in Tschechien, Italien und Deutschland bringt. Zahlbruckner: „Die energieintensive Industrie muss deshalb entlastet werden.“
Energie- und Materialeinsatz machen mit je 20 Prozent den größten Kostenanteil bei der Produktion aus, sagt Austropapier-Vorstand Harald Ganster, zugleich Chef der Hamburger Containerboard in Pitten/NÖ. Er rechnet vor: Für eine Maschine mit 320.000 Tonnen Jahreskapazität Papier betragen die Strom-Mehrkosten gegenüber Deutschland zwölf Millionen Euro pro Jahr. Ganster: „Das sind die Gesamtlohnkosten für ein halbes Jahr.“
Verpackungen
Für den Industrieökonomen Ronald Scheucher ist klar: „Verpackungen sind der Hoffnungsbereich der Papierindustrie. Zwar sei Kunststoff noch immer stark vertreten, „aber die Substitutionsprozesse haben eingesetzt“. Für Austropapier-Geschäftsführerin Siegrid Eckart „sichert das Know-how das langfristige Wachstum der Branche.“
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