Schrecksekunden und Glücksmomente
Basti muss stark niesen.
Ich habe auf die Uhr gesehen, wir konnten pünktlich beginnen. Die Kinder sind voller Erwartung im Saal gesessen, ich wollte gerade mein Willkommenslied anstimmen – da passierte es: Basti, der kleine grüne Drache, musste niesen. Eigentlich war es ja nicht der Drache, der geniest hat, sondern die Puppenspielerin, die ihm ihre Stimme leiht. Wir Puppen können uns also gegen ein vorsichtiges Niesen oder Hüsteln gar nicht wehren. Doch dieses Niesen war das gewaltigste HATSCHIIII, das ich jemals gehört habe.
Basti lag reglos auf der Bühne
Eine Schrecksekunde lang war es dann natürlich mucksmäuschenstill, und Basti lag reglos auf der Bühne. Ich dachte schon, „jetzt ist alles aus“. Plötzlich begann ein Kind im Publikum zu kichern, zuerst vorsichtig, dann immer lauter, und schließlich lachte der ganze Saal. Basti sprang auf, räusperte sich noch kurz und präsentierte dann voller Freude sein berühmtes Drachensprücherl, auf das die Kinder schon längst gewartet hatten, und mit vielen fröhlichen Stimmen sprachen sie voller Begeisterung mit. Was für ein Glücksmoment!
Und weil ich gerade zu diesem Zeitpunkt wieder auf die Uhr gesehen hatte, habe ich bemerkt: Die Schrecksekunde und der Glücksmoment haben exakt gleich lang gedauert. Doch jetzt weiß ich: Eine Schrecksekunde macht viel Wirbel und ist schnell wieder vorbei. Ein Glücksmoment kommt leise, bleibt aber viel länger. Und genau darum lohnt es sich, kurz zu warten, wenn einmal etwas schiefgeht: Der nächste Glücksmoment ist schon unterwegs.
Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters.
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