Reisebranche im Krisenmodus

Der Nahostkrieg wirbelt die Reisebranche durcheinander. Es herrscht Unsicherheit. Die Golfstaaten fallen als Destination vorläufig aus und das Fliegen wird teurer. Von Karl Leitner.
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Der Ausbruch des Nahostkrieges hat nicht nur die Wirtschafts- und Finanzwelt erschüttert: Auch die Reisebranche befindet sich seit zwei Wochen im Krisenmodus.

„Alles wird davon abhängen, wie lange der Krieg dauert“, sagt Felix König, Chef der Reisewelt GmbH – mit 200 Mitarbeitern und jährlich 300.000 vermittelten Passagieren eines der größten Reisebüros Österreichs.

Reisen in die Golfregion machen rund fünf bis sieben Prozent vom Reisewelt-Umsatz aus, so König. In den ersten Tagen nach dem Kriegsausbruch sei man damit beschäftigt gewesen, Gäste aus den Golfstaaten zurückzuholen, was nicht immer leicht war. „Wir haben alles getan, die Leute rauszubekommen“, sagt König. Jetzt gehe es darum, für bereits gebuchte Destinationen einen Ersatz zu suchen oder sie zu stornieren.

„Die Reiseveranstalter handhaben das unterschiedlich“, sagt König, der auch stellvertretender Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer ist. Laut KURIER-Informationen werden vielerorts kostenlose Stornierungen angenommen, bei bestehenden Reisen aber Verzögerungen oder Umleitungen verrechnet. Laut Sonja Wegenstein, Sprecherin bei der Verkehrsbüro Group (mit den Konzernmarken Ruefa, Eurotours und Intertravel) gebe es genug Destinationen, die als Ersatz für bereits gebuchte Reisen infragekommen: „Thailand, Malediven, Seychellen und auch Länder in der Karibik.“

In den ersten Tagen nach dem Ausbruch des Krieges sei man auch beim Verkehrsbüro bemüht gewesen, Österreicher nach Hause zu bringen. „Es wurde ein Krisenstab eingerichtet, und wir waren in ständigem Austausch mit den Airlines.“ Es seien laufend neue Routen geprüft worden, was den Kunden Flexibilität abverlangt habe.

Betroffen von den Kriegswirren sind auch Asien-Flüge, die nun aus Sicherheitsgründen eine andere Route fliegen müssen. Kostenmäßig werde sich das kaum auswirken, so König. Anders als der Ölpreis: Erste Airlines haben wegen des rasant gestiegenen Ölpreises bereits ihre Flugtickets verteuert. Für die Golfregion ist klar: Sie fällt für die Dauer des Krieges und möglicherweise einige Zeit danach für den Tourismus komplett aus. Es gilt derzeit die höchste Reisewarnstufe.

Emirates, Etihad

Der Krieg trifft den in den Golfstaaten seit Anfang der 2000er-Jahre auf höchstem Standard (in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar, Bahrein und Oman gibt es mehr als 200 Fünf-Sterne-Hotels) aufgebauten Tourismus schwer.

Auch die Fluglinien sind betroffen: Emirates und Etihad (34,3 bzw. 7,3 Milliarden Euro Umsatz) sind mittlerweile Global Player bei den Airlines und werden durch den Wegfall von Flügen in die Golfregion wie auch den Ausfall des Drehkreuzes Flughafen Dubai getroffen. Davon profitieren andere: Die AUA bietet seit Wochenbeginn zusätzliche Asien-Flüge an, andere Fluglinien werden wohl nachziehen. Und bei der weltgrößten Reisemesse ITB vergangene Woche in Berlin war zu hören, dass Österreich künftig noch mehr als sichere Destination angepriesen werden soll.

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