Chronik | Oberösterreich
06.05.2018

Räuber jagen Jägern Niederwild ab

Geschonter Habicht und Bussard sorgen neben dem Fuchs für Existenzprobleme bei Rebhuhn, Feldhase oder Kiebitz.

Wegen der existenzbedrohenden Rückgänge in den Populationen bei Feldhasen, Rebhühnern oder Fasanen lässt die Oberösterreichische Jägerschaft mit dramatischen Appellen aufhorchen. Es gehe ihnen nicht darum zu wenig Wild vor die Flinten und auf die Teller der Konsumenten zu bekommen, sondern um Artenschutz und den Erhalt beim Niederwild, erklären die Sprecher der 19.100 oö. Jagdberechtigten.

„Die Politik wird sich neben der Problematik mit dem Wolf auch mit der Situation beim Niederwild beschäftigen müssen“, verlangt Herbert Sieghartsleitner, einer der Vize-Landesjägermeister. Die geänderten Lebensumstände für das Wild auf großflächigen Wiesen und Äckern, aber auch der zunehmende Druck des Raubwild, insbesondere der ganzjährige geschonten Raubvögel, wie Habicht, Mäusebussard oder Krähen, müssten diskutiert werden, verlangen die Sprecher des Waidvolkes.

Problemfelder

Zum Beginn der Jagdsaison mit Anfang Mai besinnt sich der Jagdverband nicht nur seiner Probleme mit der drohenden Afrikanischen Schweinepest und dem zuziehenden Wolf. Hasen, Rebhühner, aber auch Kiebitze oder Feldlerchen seien in manchen Regionen bereits nahe dem Aussterben. Nach dem Jagdgesetz sei die Jägerschaft dem Artenschutz verpflichtet, weshalb man nun Alarm schlage. „Da tragen wir Verantwortung“, meint Volkmar Angermeier, der ebenso stellvertretender Landesjägermeister ist.

In manchen Gebieten gibt es auf 100 Hektar Acker- und Naturland nur mehr vereinzelte Hasen. Als besten Beweis für die Bedrohung von Meister Lampe und Co. nennt er vergleichende Abschusszahlen aus etlichen Bezirken, die den Druck durch das Raubwild aufzeigen. So wurden etwa im Bezirk Urfahr im vergangenen Jahr bereits 893 Füchse erlegt, aber nur mehr 788 Hasen. Im Bezirk Freistadt stünden gar 1473 Füchse 427 Hasen gegenüber. Bei Hasen und Fasanen haben sich die Abschüsse im letzten Jahrzehnt landesweit ungefähr halbiert.

Druck durch Räuber

Bewusst würden die Jäger etwa beim Hasen ihre Abschüsse reduzieren um die Population nicht zu schwächen. Die hohen Entnahmen beim nicht geschützten Fuchs zeigen den Experten die massive Existenz des Räubers. Das sei eine Reaktion auf die Tollwutimmunisierung der Füchse vor etlichen Jahren oder das Verbot der viel kritisierten Totschlagfallen (Schwanenhals, Red.) berichtet Christopher Böck, Geschäftsführer des OÖ. Landesjagdverbandes.

Die Jäger haben gegen die Feinde für das Niederwild und am Boden brütende Federvieh, wie Fuchs, Mader oder Dachs das Recht auf Abschüsse. Gegen zwar nicht geschützte, aber ganzjährig geschonte Räuber aus der Luft haben sie das nicht. Angesichts der dramatischen Situation fordere man von der Politik ein Eingreifen. Bei besonders massivem Druck durch Habichte und Bussarde können Jagdberechtigte schon jetzt bei der Behörde um Ausnahmegenehmigungen ansuchen, um die Räuber abzuschießen.„Die werden von den Bezirkshauptmannschaften in der Regel aber fast nie gewährt“, berichtet Sieghartsleitner. Sein Weidkamerad Angermeier verweist auf die penibel fixierte Regelung, wie sie in OÖ zuletzt etwa bei der Abschusserlaubnis für den Fischotter getroffen wurde.

Rücksicht

Die Niederwild-Kampagne des Jagdverbandes hat auch andere Stoßrichtungen. Weiter wird intensiv mit Landwirten um Schon- und Ausgleichsflächen für das Wild verhandelt. Akustik- und Lichtwarnsysteme, die das Wild vor dem Verkehr schützen, würden weiter installiert, kündigt Geschäftsführer Böck an. 2016 wurden in OÖ 5000 Hasen und 1000 Fasane von Autos getötet.

Ein Appell gilt auch dem Verhalten der Bevölkerung. Verantwortungsvolles Verhalten in der Natur ist gefragt. Böck: „Das kommt allen zugute. Die Erholung ist doch viel besser, wenn man beim Spaziergang viele verschiedene Tierarten erleben darf.“