© Grafik

Chronik Oberösterreich
05/25/2019

Projekt der Nachbar erregt in OÖ die Gemüter

Milliardenschweres Straßenprojekt in Niederösterreich sorgt im Landtag in Linz für Debatten.

von Wolfgang Atzenhofer

„Die Fragen häufen sich, die Verunsicherung in der Region steigt.“ Zur in Niederösterreich quer durch das Waldviertel bis ins oberösterreichische Mühlviertel geplanten „Europaspange“ wollte der Grüne Verkehrssprecher Severin Mayr mehr wissen. Mit der Beantwortung seiner Anfrage an Oberösterreichs Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) im Landtag war Mayr aber unzufrieden. Zu gering sei der Wissensstand über das Großprojekt, das eine Europaachse von Berlin bis nach Linz zur Westautobahn darstellen könnte, sagte der Landesrat.

Steinkellners nö. Kollege Ludwig Schleritzko (ÖVP) hat im Jänner eine „Strategische Prüfung“ beim damaligen Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) für die salopp als „Waldviertelautobahn“ bezeichnete Strecke eingereicht. Von der S3 im Weinviertel soll quer durch das Waldviertel eine Hochleistungsstraße gebaut werden.

Bei Freistadt in OÖ mündet sie in die S10 und führt weiter zur Mühlkreis Autobahn (A7) in den Linzer Raum , wo sie wiederum in die A1 mündet. Kolportiert werden Kosten bis zu fünf Milliarden Euro.

In Zeiten des Klimawandels sei allein die Idee für „dieses Wahnsinnsprojekt“ das völlig falsche Signal, wetterte Mayr. Eine Distanzierung Steinkellners vom Mega-Projekt, gegen das übrigens auch die Grünen in NÖ mobil machen, ist nämlich ausgeblieben. Allein in OÖ würde der Straßenkorridor 500 Hektar Land verbrauchen. „Es braucht keine Grundsatzprüfung, es braucht endlich Anstrengungen, dass der öffentliche Schienenverkehr im Mühlviertel leistungsfähiger wird“, forderte Mayr.

Weit weg

Für ein Projekt, dessen Straßenverlauf noch nicht festgelegt wurde und das vielleicht in 30 Jahren gebaut wird , lohne es sich nicht, gute nachbarliche Beziehungen zu stören, sagte Steinkellner in der Landtagssitzung. „Die strategische Prüfung Verkehr seitens des Ministeriums beinhaltet ebenfalls die Betrachtung des öffentlichen Schienenverkehrs. Es wäre also absolut widersinnig, hier ein Denkverbot für eine Untersuchung auszusprechen“, erklärte der Landesrat gegenüber dem KURIER. Tatsächlich wird mit dem grundsätzlichen Autobahncheck auch die Ertüchtigung der Kamptal- und der Franz-Josefs-Bahn in NÖ geprüft.

Ostumfahrung

Doch die Verkehrspolitiker in OÖ haben genug eigene Probleme, als dass sie ihre Debatten über die Landesgrenze verfrachten müssten. „Wo sind denn die versprochenen Ausbauten für die Mühlkreis- und die Summerauerbahn?“, kritisierte Mayr. Leistungsfähige Bahnen könnten nämlich Linz vom täglichen Stauchaos der Pendler entscheidend entlasten. 200.000 Autoeinfahrten werden derzeit in Linz gezählt, schon 2030 sollen es um 74.000 mehr sein.

Die A7 stellt dabei im Linzer Stadtgebiet eine schon bei Mini-Unfällen hochsensible Schlagader dar. Zusätzlicher Verkehr aus einer Europaspange aus NÖ würde den Kollaps bedeuten. In Linz hat die 13 km lange Ostumfahrung, von der A7 bei Treffling über Steyregg und Ebelsberg zur A1 höchste Priorität. Denn bis 2025 will Tschechien die Autobahn D3 von Prag bis zur Grenze bauen. Dann rollt auf Linz eine Transitlawine zu. Ein Baustart für die Osttangente ist vor 2030 unrealistisch.