Chronik | Oberösterreich
10.07.2017

Polizisten verhöhnten Mann: Verfahren eingeleitet

Disziplinarkommission wird Schmähvideo beurteilen.

"Polizisten sind keine Sängerknaben und arbeiten in keiner Waldorfschule." Für ein Facebook-Video, das Polizisten in Steyr zeigt, wie sie einen verwahrlosten Gitarrenspieler verhöhnen, gibt es beim Landespolizeikommando Oberösterreich keine Akzeptanz. Wie Polizeisprecher David Furtner am Montag ankündigte, wird gegen die zwei Steyrer ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Die Exekutive sei konsterniert, berichtete Furtner. Art und Weise, wie die Amtshandlung abgelaufen und die Veröffentlichung des Film passiert sei, "ist für uns beschämend", so Furtner. Das Video wurde am 1. Juli von einem Beamten über Facebook ins Netz gestellt, verbreitete sich immer rasanter und entfachte einen Sturm der Entrüstung. Trotz des Polizei-Aufrufs, den Beitrag nicht zu verbreiten wurde er bis Montagnachmittag bereits über 50.000-mal aufgerufen.

Beschädigtes Ansehen

Den beiden Beamten, die gestern nicht im Dienst waren, droht unmittelbar eine Suspendierung und weiters eine Bestrafung durch die Disziplinarkommission. Das nicht ordnungsgemäße Filmen im Dienst, aber noch viel mehr die im Beamten-Dienstrechtsgesetz beschriebene Schädigung des Ansehens der Polizei könnte vor der Disziplinarbehörde massive Folgen haben. Mit dem Fall nicht befasst ist bislang die Staatsanwaltschaft Steyr, wie Sprecher Andreas Pechatschek mitteilte.

In dem Video sind zwei Polizisten zu sehen, die einen offensichtlich verwahrlosten Mann regelrecht vorführen. Der Verwirrte muss dabei auf seiner Gitarre vorspielen und singen, um eine angebliche Prüfung abzulegen. Drei Beamte sind involviert, man hört sie kichern. "Auf der Straße darf man nur spielen, wenn man gut ist", erklären sie dem Mann, der auch vorsingen muss.