„Opern-Doppel“ im Linzer Musiktheater
Szene aus dem Stück „Des Esels Schatten“.
Zwei musikalische Bühnenwerke, zwei Komponisten – aber nur ein Abend. Dieses „Opern-Doppel“ hatte gestern, Samstag, in der BlackBox des Linzer Musiktheaters Premiere: „Des Esels Schatten“ von Richard Strauss und „Der zerbrochene Krug“ von Viktor Ullmann. Zwei Komponisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, deren Biografien widersprüchlicher nicht sein könnten.
Mit Nazis arrangiert
Der Deutsche Richard Strauss (1864–1949) war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Opernkomponisten, feierte als Dirigent und Kapellmeister Erfolge und prägte das deutsche Kulturleben als Operndirektor. Das alles war freilich nur möglich, weil Strauss sich mit der Kulturpolitik des Nationalsozialismus arrangiert hat, wie weit, das ist bis heute in der Forschung umstritten.
Jude und Freimaurer
Ganz anders hingegen der österreichische Komponist, Dirigent und Pianist Viktor Ullmann (1898– 1944). Er war Anthroposoph und Freimaurer mit jüdischen Wurzeln. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, von dort kam er nach Auschwitz, wo er 1944 ermordet wurde.
Die Auswahl der beiden Opern für die jetzige Produktion erfolgte nicht von ungefähr, im Gegenteil, geht es doch in beiden Werken um Gerichtsfälle und Prozesse. Dazu das Landestheater: „So wird man durch die unterschiedlichen Biografien bei der Kombination der beiden Opern sensibilisiert für Aspekte von Rechtsbeugung und Machtmissbrauch“.
Die einaktige Oper „Der zerbrochene Krug“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Heinrich von Kleist. Der Dorfrichter Adam soll in einem Prozess klären, wer den Krug der Frau Marthe zerbrochen hat. Beschuldigt wird ein junger Mann, tatsächlich aber war der Dorfrichter selbst der Übeltäter, als er in das Zimmer von Eve, der Tochter von Frau Marthe, eingedrungen war. Aus diesem Zwiespalt resultiert die komödiantische, aber auch sozialkritische Handlung.
„Des Esels Schatten“ von Richard Strauss geht auf einen antiken Stoff rund um die Vermietung eines Esels zurück. Als sich der Mann, der den Esel gemietet hatte, vor der Mittagshitze in dessen Schatten flüchtet, kommt es zum Streit mit dem Eigentümer des Tieres. Denn den Schatten habe der Mann nicht dazugemietet. Im folgenden Rechtsstreit wird der Esel unwichtig und verhungert am Schluss. Die Inszenierung – übrigens eine Produktion des oberösterreichischen Opernstudios – lag in den Händen des deutschen Regisseurs Gregor Horres, für die musikalische Leitung zeichnete die Südkoreanerin Jinie Ka verantwortlich.
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