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Chronik | Oberösterreich
03/22/2019

Oberösterreich: Volksanwalt kritisiert Hygiene in Pflegeheim

Nach Überprüfung spricht Kommission von "hohem Mortalitätsrisiko" für Bewohner nach Grippeausbruch.

Die Volksanwaltschaft hat bei einer Prüfung in einem Pflegeheim im Bezirk Perg hygienische Mängel nach einem Grippeausbruch festgestellt, die "mit einem hohen Mortalitätsrisiko" verbunden seien. Tatsächlich liege der "Verdacht nahe, dass neben anderen Grunderkrankungen, die zum Tode führen können, zwei Bewohner an der Influenza verstorben sein könnten", hieß es im Sozialressorts des Landes OÖ.

Zwei gestorben

Von den 85 Bewohnern mussten neun wegen Influenza stationär behandelt werden, informierte das Büro der zuständigen Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) am Freitag. Zwei von ihnen, die bereits an anderen Grunderkrankungen litten, sind gestorben, so der aktuelle Stand.

Am 14. und 16. März war eine Kommission der Volksanwaltschaft unangekündigt in dem Heim erschienen. Danach hielt sie fest, dass "aufgrund zögerlich umgesetzter Hygienemaßnahmen nach einem Influenzaausbruch" akute Ansteckungsgefahr bestehe, berichtete Volksanwalt Günther Kräuter der APA. So sei das Reinigungspersonal betreffend des Säuberns und der Desinfektion weder speziell unterwiesen worden, noch habe es schriftliche Instruktionen erhalten.

Dringendst und ohne weiteren Verzug

Eine Ausbreitung der Grippe sei "aufgrund des Alters und der Grunderkrankungen der Bewohnerinnen und Bewohner mit einem hohen Mortalitätsrisiko verbunden", schlug die Kommission Alarm. Daher richtete Kräuter an das Land Oberösterreich die schriftliche Bitte, "dringendst und ohne weiteren Verzug Maßnahmen eines strukturierten und nachhaltigen Hygienemanagements zu setzen".

Am 20. März wurde dann vom Soziallressort ein Experte der Fachabteilung in das Pflegeheim geschickt. Und dieser habe Beanstandungen bezüglich Hygienemängel bestätigt, teilte Gerstorfers Büro mit. Am 5. März waren in der Einrichtung bei einer Person erste Symptome einer Erkrankung festgestellt worden. Die Pflegedienstleitung ergriff am 7. März interne Hygienemaßnahmen, am 9. März wurden für Angehörige und Besucher entsprechende Sicherheitsvorkehrungen wie das Einrichten von Hygieneschleusen getroffen.

Volle Aufklärung der Missstände

Der Experte der Fachaufsicht beanstandete neben diesem möglicherweise zu langsamen Handeln noch weitere Mängel: So sei zu wenig Personal über den aktuellen Stand der Hygienebestimmungen informiert, da an der vergangenen Schulung kaum Mitarbeiter teilgenommen hätten. Zusätzlich stellte er fest, dass die Funktion der in Karenz befindlichen Hygienebeauftragten nicht nachbesetzt wurde. Die in Oberösterreich regierende ÖVP forderte eine "volle Aufklärung der Missstände im Pflegeheim".