Nach Bedrohung eines Lehrers mit einer Schere (Symbolbild) in Linz  werden Konsequenzen gefordert

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Chronik | Oberösterreich
05/18/2019

Nach neuem Vorfall an Schule: Rasche Suspendierung gefordert

Oberösterreichs LH-Vize Christine Haberlander will schärfere Gesetze gegen aggressive Schüler und mehr Rechte für Direktoren.

Nachdem am Mittwoch ein Jugendlicher an einer Linzer Sonderschule mit einem Küchenmesser auf einen Mitschüler losgegangen war, musste die Polizei am Donnerstag schon zum nächsten Gewaltdelikt an einer Schule in der Landeshauptstadt ausrücken. An der Europaschule im Stadtzentrum war ein Zwölfjähriger ausgerastet. Er bedrohte einen 56-jährigen Lehrer mit einer Schere, schimpfte und bedrohte ihn mit dem Umbringen.

Der Lehrer habe den türkischen Schüler mehrmals aufgefordert sich niederzusetzen, weil er den Unterricht gestört hat, berichtet Herbert Gimpl, Rektor der Pädagogischen Hochschule OÖ. Die Europaschule ist seinem Institut zu Ausbildungszwecken angeschlossen. Der Bub, der an der Schule sonderpädagogisch betreut wird, wurde in der Unterrichtsstunde Donnerstagmittag immer aggressiver. Zuerst verhöhnte er den Lehrer mit einem Bild eines wiehernden Pferdes auf dem Handy, dann ging er mit einem Farbstift auf den Pädagogen los. Als sich wegen des Lärms ein zweiter 33-jähriger Lehrer einschaltete, hatte das tobende Kind bereits eine Schere in der Hand. Der Kollege ging dazwischen und brachte den schimpfenden Schüler aus der Klasse.

Aggressive Mutter

Er habe sich vom Lehrer provoziert gefühlt, gab der Schüler gegenüber Polizisten, die kurz darauf am Schauplatz eingetroffen waren, an. Verletzen habe er den Lehrer aber nicht wollen.

Bei der Amtshandlung mussten die Beamten dann auch mit dem unwirschen und aggressiven Verhalten der Mutter des Schülers fertig werden. Sie war von der Schulleitung verständigt worden. Statt beruhigend auf ihren Sohn einzuwirken, habe sie die Stimmung noch aufgeheizt, wird in der Sachverhaltsdarstellung beschrieben, so Rektor Gimpl. Ihre Aggression und ihr unkooperatives Verhalten bescherten der Frau auch eine Anzeige, wird von der Polizei berichtet.

Der Bub sei umgehend vom Unterricht suspendiert worden und war am Freitag auch nicht in der Schule erschienen, erklärte Gimpl. Der Schüler selbst sei schon öfter durch sein Verhalten auffällig gewesen, allerdings noch nie so dramatisch. Bildungsexperten seiner Einrichtung sollen nun ein Modell ausarbeiten, wie der Bub, ohne dass die Sicherheit der Mitschüler und Lehrer gefährdet wird, wieder integriert werden kann.

Forderung

Den jüngsten Vorfall nimmt Oberösterreichs Bildungsreferentin und LH-Vize Christine Haberlander (ÖVP) zum Anlass, um beim Bund eine Erleichterung von Suspendierungen durch Direktoren zu fordern. „Bei Gefahr in Verzug, etwa wenn Schüler mit einem Messer bewaffnet sind, muss es möglich sein, sofort eine Suspendierung auszusprechen, ohne den Amtsweg mit Antrag an die übergeordnete Behörde einzuhalten“, sagt Haberlander.