Chronik | Oberösterreich
14.10.2018

„Mauerfall macht zuversichtlich“

Deutsche Wiedervereinigung. Der Fall der Berliner Mauer 1989 bleibt ein einzigartiges historisches Ereignis

„Der Fall der Berliner am 9. November 1989 war der Schlusspunkt eines Prozesses, der 1985 mit der Installierung von Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU begonnen hat.“ Lothar de Maizière, der einzige demokratisch gewählte und letzte Ministerpräsident der DDR, beeindruckte Dienstagabend im Donauforum der Oberbank mit seinen Aussagen zur Wiedervereinigung Deutschlands. Generaldirektor Franz Gasselsberger hatte als deutscher Konsul zum Festabend geladen, rund 1000 Gäste waren gekommen.

„Unverzüglich ist einer meiner Lieblingswörter geworden“, sagte der CDU-Politiker, der als Entdecker von Angela Merkel gilt. Der 78-Jährige bezog sich auf die Antwort des SED-Politbüromitglieds Günter Schabowski, der am 9. November 1989 auf die Frage eines italienischen Journalisten nach dem Beginn der Reisefreiheit mit „unverzüglich“ geantwortet hatte. Daraufhin setzten sich die Menschenmassen von Ost- nach Westberlin in Bewegung, die Mauer war überwunden.

Landesdirektor Kurt Rammerstorfer, der damals ORF-Korrespondent in Berlin war, betonte in die Gewaltfreiheit, die sowohl von den Staatsorganen als auch von den Bürgern praktiziert worden sei. „Alle haben sehr besonnen reagiert.“ De Maizière: „Die Leute waren unglaublich diszipliniert, die Demonstranten haben sich nicht provozieren lassen.“ Die DDR habe auf zwei Pfeilern beruht: auf der Berliner Mauer und auf den Bajonetten der 500.000 russischen Soldaten. Die Soldaten seien aber in ihren Kasernen geblieben.

Frank Rückert, Gesandter an der deutschen Botschaft, zeigte sich angesichts der schwierigen Lage in Europa optimistisch. „Haben wir die Mauern in unseren Köpfen und Herzen überwunden? Der Fall der Mauer macht uns zuversichtlich.“ Auch damals habe kaum jemand geglaubt, dass das passieren könne.

Landeshauptmann Thomas Stelzer strich den Wert der Freiheit hervor.