Chronik | Oberösterreich
29.04.2018

Massiver Rückgang von Badegästen

Freibäder. Für manche der 144 Bäder könnte die Konkurrenz durch private Pools mittelfristig das Aus bedeuten

Vielen der 144 Freibäder in Oberösterreich, die nun wieder ihre Pforten öffnen, steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Mittelfristig könnte es das Aus für ein Drittel von ihnen bedeuten. Denn die Badbesucher werden weniger und die Abgänge für die Gemeinden höher. Die meisten Bäder haben in den vergangen 15 Jahren einen Großteil ihrer Gäste verloren. So zum Beispiel Andorf. Es hatte einst 46.000 Badegäste, in der vergangenen Saison waren es nur mehr 17.000. Eine der Ursachen ist die Zunahme privater Swimmingpools, die inzwischen auf 60.000 angestiegen sind. Die Familien, die jetzt zu Hause planschen, gehen den Freibädern ab. „Wir müssen nüchtern und realistisch erkennen, dass wir über die Jahre viele Gäste verloren haben“, sagt Gemeindebundpräsident Johann Hingsamer.

Die Konsequenz: Das Land will in Zukunft nur mehr jene Bäder bei größeren Sanierungen und Neubauten unterstützen, die bis zum Jahr 2021 eine Abdeckung von 50 Prozent des laufenden Betriebsaufwands über Eintritte vorweisen können. Diese Neuregelung betrifft auch die 17 Hallenbäder.

Hingsamer: Gemeinden sollen bei Bädern kooperieren

„Es wird in fünf Jahren noch viele Freibäder geben, weil man über Kooperationen von mehreren Gemeinden oder Gemeinschaftsbäder erst dann redet, wenn eine Sanierung oder ein Neubau ansteht“, so Hingsamer. Wenn sich mehrere Gemeinden zu einem Bad zusammenschließen, ist die Förderung höher.

Derzeit verkaufen 45 Prozent der 144 Bäder weniger als 6000 Eintrittskarten pro Saison. Die wirklichen guten Badetage liegen im mehrjährigen Durchschnitt bei lediglich 35. Offengehalten wird aber an 90 bis 95 Tagen. „Das Problem ist, dass man an den 35 Tagen das Geld machen muss.“ Die Eintrittspreise sind eigentlich zu niedrig, sie liegen im Schnitt bei 2,50 Euro pro Tageskarte und Erwachsenem. Hier sind vergünstigte Tickets für Senioren, Studenten etc. eingerechnet. Die Bäder-Defizite werden von den Gemeinden durch Steuergelder abgedeckt. Problematisch wird es dann, wenn Gemeinden ihren ordentlichen Haushalt nicht mehr ausgleichen können. Diese müssen dann entweder ihre Öffnungstage reduzieren oder höhere Eintritte verlangen.

Manche Gemeinden beginnen, Ehrenamtliche im Badebetrieb einzusetzen, was aber an Grenzen stößt. Denn die Anlagen müssen gewartet werden und die Verantwortlichen müssen ausgebildete Rettungsschwimmer sein.